Stephan Thoss: «Dornröschen»
Der König schlurft durch sein Gemach, die Königin im nachtblauen Kleidchen schaut ganz deprimiert. Es will nicht klappen mit dem adligen Nachwuchs, da kann sich Frau Gemahlin noch so lasziv räkeln auf dem langen Tisch. Da hilft kein königlicher Mantel über dem grauen Anzug. Er bleibt ein Versager ohne Nachfolger. Die Nöte der Eltern stellt Ballettdirektor Stephan Thoss in den Vordergrund von «Dornröschen». Die Bühne von Kaspar Zwimpfer hat bewegliche mit Lilienmuster tapezierte Stellwände. Praktischerweise mit Fenster.
Durch dieses steigt Yuki Mori mit freiem Oberkörper und schwarzem Schopf. Ein Wesen mit animalischer Kraft und Potenz, dem die Königin nach einigem elegantem Herumwälzen und mit Erlaubnis ihres Gatten erliegt. Wer ist diese Figur, die Yuki Mori darstellt? Der Frosch? Tatsächlich prophezeit bei den Gebrüdern Grimm ein Frosch der Königin, dass sie ein Kind bekommt. Bei Thoss ist er gleich der Samenspender. Und was für einer: In null Komma nichts ist die Dame schwanger. Und das Bündel, das in der Wiege liegt: grün. Womit die Vaterschaft geklärt ist.
Bis Dornröschen überhaupt mal geboren ist, hat Thoss schon eine geschlagene Stunde tanzen lassen, wie immer in seinem ...
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