serie: master-macher
Als herausragende Danseuse étoile der Pariser Oper hat Élisabeth Platel auf der Bühne stets künstlerische Risikobereitschaft mit akribischer Technik kombiniert. Sie feilte so lange an Schritten und Gesten, bis diese sprechend wurden. Aufmerksam wahrte sie die klassische Linie – und zögerte doch nicht, ihren eigenen Stil zu entwickeln. Platel tanzte, wie die großen Musiker spielen: mit absolutem Respekt für die Partitur und einer ganz persönlichen Interpretation.
Genauso leitet sie seit 2004 die Tanzschule der Pariser Oper: Sie bewahrt, was den Ruhm und die Stärke des französischen Balletts ausmacht, hält zugleich jedoch die Augen offen für die Entwicklungen von heute und die Anforderungen von morgen. Als Pädagogin schwört Platel auf die unermüdliche Wiederholung der klassischen Basics: «Ich halte nichts von Wunderrezepten. Das Beste sind immer noch – battements tendus en croix! Man muss gute Gewohnheiten pflegen, um die Technik zu stabilisieren. Alles Gerede über eine Diversifizierung des Unterrichts ist mit Vorsicht zu genießen. Denn das bedeutet: Zerstreuung statt Konzentration.»
Die Stärke des Pariser Balletts verdankt sich dem engen Zusammenspiel von Schule und Corps de ballet. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2016
Rubrik: Praxis, Seite 72
von Agnès Izrine
«Otto ist immer dabei.» Jiří Bubeníček lässt keinen Zweifel daran, welche Rolle der Bruder in seinem Leben spielt. Selbst wenn sie nicht unmittelbar zusammenarbeiten, was bisher überhaupt erst einmal in New York geschehen ist, tauschen sie ihre Gedanken und Gefühle aus. Jiří und Otto sind nicht irgendwer. Sie waren die Ballettzwillinge per se, sind jetzt Les...
counter phrases
Gleich drei Leinwände braucht Thierry De Mey, um «Counter Phrases» (Foto: Cosimo Piccardi) noch dynamischer erscheinen lassen als 2003, als das gemeinsam mit Anne Teresa De Keersmaeker erarbeitete Event zum ersten Mal die Runde über die Bühnen der Welt machte. Damals war noch ICTUS dabei. Diesmal beteiligen sich mit TM+, dem Orchestre symphonique...
Sie sind jung, hungrig, begabt – und retro. Genau diesen Anstrich hat das Ballett Dortmund seiner NRW Juniorkompanie verordnet. Keine der vier Choreografien in diesem «Stepping Future»-Abend verheißt avantgardistische Ambition, aber schlimm ist das nur in einem Fall: Can Arslans «Sakura» entpuppt sich als Schmacht-Pas-de-deux in dekorativer Werbespot-Ästhetik,...
