Schwanensee - aufgetaucht

In Saarbrücken zeigt Marguerite Donlon mit viel Humor, welches Potenzial im Reißer der Romantik wirklich steckt.

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Die Mutterliebe ist ein Papierschwan. Unschuldig weiß und mit scharf gefalteten Kanten, so wird er dem Sohnemann überreicht. Aber wenn er sich leise bei seiner Mutter anlehnen will, wendet sie sich brüsk ab – das Origami-Tierchen muss reichen. Mit gesenktem Kopf und schlaksig stellt Siegfried es zu den anderen in seine Schwanensammlung, die mehr von Liebesentzug als von Liebe erzählt.

Das viel beschriebene Abhängigkeitsverhältnis von Mutter und Sohn in «Schwanensee» legt Marguerite Donlon in Saarbrücken ein paar Grad kälter an als üblich.

In ihrer Neufassung des Klassikers, «Schwanensee – Aufgetaucht», lässt die Mutter ihren Siegfried eiskalt auflaufen. Liliana Barros spielt die kühle Schönheit, die ihren Sohn von ihren Angestellten bestens umsorgen lässt, sich aber stets ruppig seinen zaghaften Annäherungsversuchen entzieht. Wenn er später versucht, sich gegen diese Gefühlskälte aufzulehnen und seine Unabhängigkeit behaupten will, wäscht sie ihm ordentlich den Kopf und schickt ihn mit erhobenem Zeigefinger zurück auf die Tanzfläche, damit er sich endlich eine Braut aussucht.

Ist «Schwanensee» sonst ein Ballett der Frauen, schneidet es Donlon stark auf Siegfrieds Coming-of-age zu, ...

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Tanz Mai 2009
Rubrik: Premire, Seite 26
von Esther Boldt

Vergriffen
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