Neumeier über Nijinsky
John Neumeier, Sie sind der Choreograf, der sich am längsten und intensivsten mit dem Werk von Vaslav Nijinsky befasst hat. Sie haben sogar die größte Nijinsky-Kollektion aufgebaut. Warum eigentlich?
Eine Antwort auf die Frage nach dem Warum würde bedeuten, dass ich das absichtlich gemacht habe. Es ist auch nicht so, dass ich eines Tages die Ambition hatte, die größte Nijinsky-Sammlung der Welt aufzubauen, sondern es fing sehr sehr einfach an. So lange ich denken kann, hat mich Tanz fasziniert, selbst wenn ich zu der Zeit noch gar nicht genau wusste, was Tanz war.
Im Alter von zehn oder elf Jahren lieh ich mir in einer Bibliothek in Milwaukee ein Buch aus: «The Tragedy of Nijinsky». Das hat mich nicht mehr losgelassen! Mit diesem Buch öffnete sich für mich ein Weg in eine magische Welt. Denn da habe ich über einen Menschen gelesen, einen Menschen, der tanzt. Das Buch bot mir einen Blick in sein Leben. So fing es an, dann habe ich versucht, mehr und mehr über ihn zu erfahren. Es war also damals nicht so sehr die Idee zu sammeln, sondern der Wunsch nach mehr Wissen.
Sammeln Sie als Choreograf anders als andere Sammler? Wahrscheinlich. Ich weiß nicht, ob das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eins müsse er gleich klarstellen, beginnt Jérôme Bel seine neue Performance im Lilian Baylis Studio vom Sadler’s Wells in London: Was als «27 Performances» angekündigt wurde, habe nun einen anderen Titel «A Spectator», und die Vorstellung, so sei hiermit gewarnt, sei kein Tanz und könne gut und gern länger als die angekündigten 60 Minuten dauern. Er improvisiere...
Der Schürzenjäger ist enttarnt, der Geliebten bricht das Herz, ihr Tod kommt schnell. So manche Diva hat diese Szene genüsslicher ausgeschlachtet. Selbst im Wahnsinn und im Sterben – Oksana Kulchytska exponiert ihre Giselle nicht mehr als nötig. Es fiele aus dem Rahmen. Paul Chalmers «Giselle» ist werktreu aus Überzeugung, das aber so zart und bescheiden, als zeige...
Ein Event ist «X-Event 2.6» gerade nicht. Vielmehr sind Annie Vigier, Frank Apertet und Co. im urbanen Raum gelandet wie vom anderen Stern. Sichtbar fremd. Leicht zu erkennen an ihren postmodern abstrahierten Mickey-Mouse-T-Shirts, erscheinen die Performer gratis und draußen als sanfte Irritation im und um den Bétonsalon, einen neuen Ort für zeitgenössische Kunst...
