Lucia Lacarra
Ich jage ein Phantom. Seit Tagen, Wochen. Halte mich am Telefon zur Verfügung. Starre nervös auf mein elektronisches Postfach. Vergesse zu essen. Stattdessen unternehme ich endlose Streifzüge im virtuellen Dschungel.
Was steht da über sie? Sie sei «transparent», «irreal», «übernatürlich», «entrückt», «ephemer», «ideal», «eine Verlockung», «die reine Perfektion», «eine Vision», «a tease» – aber soll mich das beruhigen, dass bloggende Fans vor Suchtgefahr warnen? Dass sie, Lucia Lacarra, in ihrer Unfassbarkeit nichts von ihrer Anziehung verliert, wie eine Fata Morgana, betörend und grausam gleichgültig? Da, ein Fetzen. Drei Minuten zweiundvierzig auf YouTube, ein Rettungsanker. Wenn ich ihr Abbild hier finde, heißt das, es gibt sie wirklich? Natürlich nicht, Dummchen. Oder gibt es Dracula, King Kong, McGuffin, Dornröschen? Dunkle Gedanken; nur jetzt den Mut nicht verlieren.
Noch einmal gehe ich in die Offensive. Meine Anfragen bleiben unbeantwortet oder die Antworten ausweichend. Am einundzwanzigsten Tag packt mich die Angst vor dem schieren Nichts. Ich habe sie erst neulich auf der Bühne gesehen. Aber nur kurz; viel zu tanzen gibt es ja für das verwunschene Dornröschen nicht. Wenn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was heißt hier Liebe? Wenn Pina Bausch sich auf Geschlechterbeziehung einlässt, verstärkt sich mehr und mehr der Eindruck, man wohne einem Kunststück bei. Da ist Jorge Puerta Armenta, den Mund gespitzt. Doch Anna Wehsarg hält ihre Latte hoch. Erst als der Mann, das dressierte Tier, durch einen Reifen springt, treffen sich die scheinbaren Kontrahenten im Kuss. Nicht...
Oben oder unten? Im All oder im gemauerten Gewölbe? Sind es Aliens auf Drogen oder verstörte Kellerkinder, die da entrückt durch den Raum gleiten und ins Leere starren? Nichts von allem. Wir blicken ins Universum der Phantasmagorie, visualisieren Hirngespinste, die das Unbewusste im Traum auf die Reise schickt. Der junge Folkwang-Absolvent Ben J. Riepe hat sie in...
Jan Lauwers, renitenter belgischer Theaterchoreograf, wird mit 400 Seiten Buch geehrt.
NO BEAUTY FOR ME THERE WHERE HUMAN LIFE IS RARE heißt es. Das ist ein Zitat aus seinem Tanz um Camus’ Drama «Caligula» zur documenta X im Jahr 1997. Wie im Stück der Dichter Scipio dem römischen Diktator, antworten 28 Essayisten kritisch ihrem Wegbegleiter Jan Lauwers. Der liebt...
