Jan Lauwers
Jan Lauwers, renitenter belgischer Theaterchoreograf, wird mit 400 Seiten Buch geehrt.
NO BEAUTY FOR ME THERE WHERE HUMAN LIFE IS RARE heißt es. Das ist ein Zitat aus seinem Tanz um Camus’ Drama «Caligula» zur documenta X im Jahr 1997. Wie im Stück der Dichter Scipio dem römischen Diktator, antworten 28 Essayisten kritisch ihrem Wegbegleiter Jan Lauwers. Der liebt große Exzentriker, Bluthungrige aus Vernunft wie Julius Caesar oder Macbeth. An ihren Gräbern hat Lauwers gekratzt; seine Exegeten schauen in die Gruft der Dramen.
Daraus tönt Lauwers, dass Theater nicht eine Oneman-Show für Tausende sei, sondern dass «Tausende auf der Bühne für einen Einzigen spielen» sollen. Für den Mächtigen. Wie vor einem König aufgeführt, dürfe Theater sich nicht lohnen, sondern müsse eben all das sein, was die Politik nicht will: nämlich «freie, nutzlose, elitäre» Bühne. Nur dadurch sei Theater fesselnd, Augen öffnend und unterhaltend. Das Theater, fordert er, gehöre nur in eine Hand: nämlich in die des Künstlers. Nicht aber in jene von Intendanten, die die Politik restlos absorbieren.
Man muss kein Stück von Lauwers gesehen haben, sondern braucht nur Abonnent seines Newsletters sein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Superstars von heute sind medial geklonte Unterhaltungs-Avatare, die in ein noch reales Second Life vorstoßen und dafür ihre Persönlichkeit aus dem ersten Leben an der Garderobe abgeben. Rachid Ouramdane dreht das Prinzip einfach um. Die tiefgründigsten und verletzlichsten Persönlichkeiten am Lyon Opéra Ballet ernennt er zu seinen Superstars. Ein Tänzer ist ein...
Armes China. Wo nicht so getanzt wird, wie es die Menschen selbst bewegt, ist die Welt im Argen. In China gibt es darum nur eine Hand voll Tanzgruppen, die über die Verhältnisse tanzen. Dazu gehört dieses Jungkollektiv von Künstlern aus Shanghai, Zuhe Niao, das mit Tanz etwas ausdrückt, was nahe liegend nur mit Tanz ausgedrückt werden kann: das Schweigen müssen....
«Elle(s)» steht ohne Zweifel im Plural: Das neueste Werk von Fabienne Berger ist Frauenbildern gewidmet. Portraits, die langsam ihre überlebensgroßen Münder zu einem Lachen öffnen. Frauen als kleine, auf die dunkle Rückwand projizierte Silhouetten. Sie werden beobachtet, halbwegs imitiert und so von der Interpretin auf der Bühne als virtuelle Mitspielerinnen...
