Janet Eilber
Seit 2005 sind Sie Künstlerische Leiterin der Martha Graham Dance Company. Wie steht es um die Aufführungsrechte der Choreografien? Bis auf zwei liegen sie nun endlich bei uns. Die Zeit nach Grahams Tod 1991 war hart wegen des Nachfolgestreits mit Ron Protas. Es gab kaum Auftritte und wenig Reisen. Von Grahams nachgelassenen 181 Choreografien sind heute etwa 50 rekonstruiert, 12 bis 14 von ihnen befinden sich in unserem Repertoire.
Was sagen Grahams Stücke einem heutigen Publikum? Sie sind nach wie vor athletisch, kraftvoll, emotional, universal und sexy.
Und sie enthüllen die Gefühlswelt der tanzenden Figuren, ob bei den Frauengestalten der frühen Stücke oder den mythologischen Heldinnen der späteren Werke. Graham empfand Löwen und andere Tiere in ihrem instinktiven Verhalten, wie sie es gern im Zoo beobachtete, als ehrlich und unaufgedonnert. Die Bewegung der Tiere geht stets vom Körperzentrum aus. Das hat Graham in ihre Technik übernommen. Alles kommt aus dem Körperzentrum, Lachen, Weinen, Schmerz. So entstand das Gegensatzpaar contraction – release. Was damals als schockierend empfunden wurde, ist heute Gemeingut. Nehmen Sie einen Kugelstoßer: Seine Anlauf- und Drehbewegung vor ...
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