Was denkt Susanne Linke
Emanzipation? Na, ich finde das gut. Das haben die 68er damals auf den Weg gebracht. Aber ich war nicht aktiv. Ich war nur mit Tanz und Training beschäftigt. Das macht einen so müde, dass einem der Kopf dann völlig ausgeblasen ist. Da kannst du nicht so politisch denken. Nur, dass so eine Nazizeit nicht noch mal kommen darf, ist klar. Viele Künstler waren naiv und sind darauf reingefallen, auf diese Gehirnwäsche durch Hitler. Mary Wigman war total begeistert, hat ihm Briefe geschrieben, hat an die große neue Zeit geglaubt. Da fasst du dich doch an den Kopf, das war eine intelligente Frau.
Dabei war’s auf der Mary-Wigman-Schule in Berlin danach viel freier als bei der Folkwang-Schule. Die kam mir schrecklich langweilig vor. Kurt Jooss war in den letzten Zügen in Essen, alle außer Dore Hoyer machten Abstrakten Tanz. Nur das kam beim Publikum an. Bloß keinen Inhalt. Bis Pina Bausch kam und neuen Wind aus New York mitbrachte. Die hat die Hälfte der Tänzerinnen aus dem Folkwang Tanzstudio ausgetauscht. Das waren vorher klassisch Geschulte, die Frisur hoch und so, da wollte ich auch nicht rein. 1970 hat sie dann richtige Frauen-Typen geholt, Persönlichkeiten. Das Wort Emanzipation gab ...
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