Zuhälter und Alphörner
In der Bundesstadt Bern, deren graugrüne Bürgerhäuser hoch über der Aare gemächliche Zufriedenheit ausstrahlen, hat die erste Spielzeit des neuen Intendanten Stephan Märki begonnen, zugleich die erste der Stiftung «Konzert Theater Bern», zu der Symphonieorchester und Dreispartenhaus gerade zusammengeschlossen worden sind. Joachim Schlömers Inszenierung von Beethovens «Fidelio» (in der Fassung von 1805) wurde vom Haus im Vorfeld als ein so «zeitgemäßer wie mutiger Opernabend» angekündigt. Auf dem Plakat prangt eine Pistole. Man will das Publikum herausfordern.
Schon während der Ouvertüre («Leonore II») enthüllt sich die Ästhetik: Es gähnt ein schwarzer Bühnenraum, aufdrehbar, mit dramatischen Schrägen (Olga Ventosa Quintana), in der Luft hängt ein Gefangener im Lendentuch: Black. Dann erscheint Leonore, streift ihr Satinnachthemd ab (ein Raunen weht durch den Saal), schlüpft in Männerkleider und Perücke. Black. Schlömer legt die Fabel als Folge einzelner Bilder an, friert sie ein in plakativen Szenen der Kälte und Brutalität und greift dabei immer wieder in die Klischeekiste des Regietheaters. Jaquino versucht Marzelline zu vergewaltigen. Rocco spricht in den Dialogen ausschließlich ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Wiebke Roloff
Während der zehn Jahre seiner Intendanz am Bonner Theater hat Klaus Weise in der Oper gezielt das selten gespielte Repertoire des frühen 20. Jahrhunderts gepflegt und zumeist auch selbst inszeniert. Es waren veritable Entdeckungen dabei, etwa Franz Schrekers «Irrelohe» oder Eugen d’Alberts «Golem». Zum Abschied hat er nun Paul Hindemiths Triptychon auf die Bühne...
Bruno Berger-Gorskis Magdeburger «Don Carlo»-Inszenierung (Koproduktion mit Brünn) nimmt Posas Vorwurf, in Filippos Reich herrsche «la pace dei sepolchri» wörtlich. Bühnenbildner Daniel Dvorák verlegt das Stück in eine stilisierte gotische Kathedrale, in der Kaiser Karl V. als Event-Manager im Halloween-Kostüm Tote und Untote tanzen lässt. Der Infant im Laufgitter,...
Manchmal enden Irrfahrten glücklich, wie jetzt für Giuseppe Antonio Brescianellos Oper «La Tisbe», die nach 294 Jahren ihre posthume Uraufführung erlebte. Brescianello gehört zu den zahllosen Italienern, die im 18. Jahrhundert an deutschen Fürstenhöfen engagiert waren. Der wohl aus Bologna stammende Geiger trat 1716 in den Dienst des württembergischen Herzogs...
