Theaterlustbarkeit
Manchmal enden Irrfahrten glücklich, wie jetzt für Giuseppe Antonio Brescianellos Oper «La Tisbe», die nach 294 Jahren ihre posthume Uraufführung erlebte. Brescianello gehört zu den zahllosen Italienern, die im 18. Jahrhundert an deutschen Fürstenhöfen engagiert waren. Der wohl aus Bologna stammende Geiger trat 1716 in den Dienst des württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig, machte Karriere, wurde 1731 zum Oberkapellmeister erhoben, 1751 bei vollem Gehalt pensioniert und blieb bis zu seinem Tod 1758 in Stuttgart.
Im Unterschied zu seinem berühmteren Landsmann Niccolò Jommelli, der ihm 1753 im Amt nachfolgte, besteht sein Schaffen fast ausschließlich aus Kammer- und Orchestermusik. Die 1717/18 entstandene Pastoraloper «La Tisbe» ist sein einziges Bühnenwerk. Allerdings gelang es ihm nicht, das seinem Dienstherrn gewidmete Stück zur Aufführung zu bringen. Das pietistische Württemberg war für Theaterlustbarkeiten bis zum Regierungsantritt von Herzog Carl Eugen 1744 ein hartes Pflaster. Am Stoff, einer Bearbeitung der tragischen Liebesgeschichte von Pyramus und Thisbe, die bei Brescianello allerdings ein operngerechtes lieto fine findet, kann es nicht gelegen haben. Der Librettist ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Uwe Schweikert
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