Disparates Trio

Bonn | Hindemith: Einakter-Triptychon

Opernwelt - Logo

Während der zehn Jahre seiner Intendanz am Bonner Theater hat Klaus Weise in der Oper gezielt das selten gespielte Repertoire des frühen 20. Jahrhunderts gepflegt und zumeist auch selbst inszeniert. Es waren veritable Entdeckungen dabei, etwa Franz Schrekers «Irrelohe» oder Eugen d’Alberts «Golem». Zum Abschied hat er nun Paul Hindemiths Triptychon auf die Bühne gewuchtet, ein durchaus problematisches Trio disparater Einakter, von denen Hindemith sich später distanziert hat.

Nur mit dramaturgischen Klimmzügen lässt sich ein roter Faden entdecken: Sex und Gewalt kommen tatsächlich dreifach vor – aber wo, bitteschön, nicht? Außerdem eint das Trio eine gewisse expressionistische Verschwitztheit, die heute schwer goutierbar ist.

Der Abend hebt an mit «Mörder, Hoffnung der Frauen» auf einen wild gestikulierenden Text von Oskar Kokoschka (!) über die archaischen Niederungen des Geschlechterkampfs, den man am liebsten nicht verstehen würde. Hindemith hat auf die wirre Vorlage eine roh gehauene Partitur geschaffen, Regisseur Weise hat die Handlung, die laut Kokoschka in archetypischer Vorzeit spielt, zum Künstlerdrama abgemildert, in dem die vorgesehenen Krieger als Kunst-Schüler erscheinen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Mozart aus New York, Verdi unter der Hafenbrücke

Wenn die Wirtschaft strauchelt und die Touristen wegbleiben, müssen sich Kulturschaffende, zumal in einer nicht gerade als kunstsinnig geltenden Nation wie Australien, umso stärker um Geldgeber bemühen und umso engagierter um ihr Publikum werben. So ist in den Opernhäusern die Zahl der Besucher zurückgegangen, besonders in Sydney, wo man aufgrund einer...

Shoot-out in Missouri

Im Wald, da sind nicht nur, halli, hallo, die Räuber. Sondern auch die Phantome der deutschen romantischen Fantasie, zwielichtige Wesen wie Undine, Fafner, die Knusperhexe, Samiel. Der Wald ist ja, wenn man Elias Canetti glauben will, gerade für Germanen ein magischer Ort: «Das Rigide und Parallele der aufrecht stehenden Bäume, ihre Dichte und ihre Zahl erfüllt das...

Extremliebhaber

Die Bibliothekarin der Bayerischen Staatsbibliothek in München hatte es ja gut gemeint. «Lustige Weiber von Windsor»? Kein Problem. Wenig später lag die Partitur vor Georg Hermansdorfer – nur leider war es diejenige von Otto Nicolai. Doch der Oberbayer hatte es auf etwas anderes abgesehen, auf die Vertonung von Carl Ditters von Dittersdorf. Die einzig erhaltene...