Zugespitzt
Im Vergleich zur Wiederentdeckungswelle der 1980er-Jahre ist es um Franz Schreker deutlich ruhiger geworden – in Zürich wurde zu diesem Komponisten freilich noch einmal ein starkes Wort gesprochen. Zur Saisoneröffnung brachte das dortige Opernhaus «Die Gezeichneten» heraus – und das in einer Produktion, die mit ihren scharfen Kanten neue Deutungswege erkennen lässt.
Ein unbequemer, ja schockierender Abend, der in hochästhetischer Umgebung anhebt: Bühnenbildner Rufus Didwiszus empfängt das Publikum mit einem offenen Raum in dezentem Grau, in dessen Mitte eine Skulptur aus dem klassischen Altertum prangt. Später füllt sich der Raum; er wird zur Glyptothek, die der reiche Adlige Alviano Salvago als sein Elysium eingerichtet hat.
Zugleich fahren jedoch immer wieder herbe Kontraste ins Geschehen. Für das schillernde Vorspiel schlägt die Philharmonia Zürich unter der Leitung von Vladimir Jurowski einen irritierend rauen, bisweilen merklich zu lauten Ton an. Das geht in eins mit dem Versuch des Regisseurs Barrie Kosky, die «Gezeichneten» konsequent zugespitzt als expressionistisches Drama zu zeigen, als ein Stück von 1915, das mit seinen Fragen zu Ästhetizismus und Gewalt, zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Peter Hagmann
Das Mittelmeer hieß im Römischen Reich mare nostrum, unser Meer, das Meer der Europäer. Wir sind nicht für jedes Leid der Welt zuständig. Für das Leid in unserem Meer sind wir zuständig. Wenn wir den Tod im Mittelmeer verhindern können, müssen wir ihn verhindern.» Das schrieb Jakob Augstein im Juli dieses Jahres im «Spiegel» in einem moralischen Appell unter dem...
Langsam schreitet eine weiß gepuderte und perückte Adelsgeselllschaft zum Te Deum in die von Christian Schmidt naturalistisch nachgebaute römische Kirche Sant’ Andrea della Valle. Ein greiser Kardinal führt die Riege stocksteifer katholischer Würdenträger an. Scarpia singt sich währenddessen in einen solchen sexuellen Rausch, dass er sein Umfeld überhaupt nicht...
Seit seinem Amtsantritt als Intendant der Opéra national de Paris hat es sich Stéphane Lissner zum Ziel gesetzt, neue Musiktheaterwerke in Auftrag zu geben, die auf Klassikern der französichen Literatur gründen. 2017 war Balzac mit Luca Francesconis «Trompe-la-mort» an der Reihe, für 2021 ist Claudels «Le Soulier de satin» annonciert, vertont von Kaija Saariaho....
