Ausgefeilt

Puccini: Tosca
Helsinki | Nationaloper

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Langsam schreitet eine weiß gepuderte und perückte Adelsgeselllschaft zum Te Deum in die von Christian Schmidt naturalistisch nachgebaute römische Kirche Sant’ Andrea della Valle. Ein greiser Kardinal führt die Riege stocksteifer katholischer Würdenträger an. Scarpia singt sich währenddessen in einen solchen sexuellen Rausch, dass er sein Umfeld überhaupt nicht bemerkt: «Tosca, Du machst mich Gott vergessen.

» Erschrocken erkennt er in diesen letzten Takten des ersten Akts die religiöse Autorität, realisiert die eigene Gotteslästerung und küsst unterwürfig den Ring an der Hand des Rotgewandeten.

Eine schaurige Szene. Ist Scarpia, der Täter, also auch Opfer? Bedingen sich die beiden Unterdrückungssysteme von alter Kirche und (nach Napoleons Niederlage wiedererstarktem) Aristokratenpolizeistaat nicht unmittelbar? Mag sein. Das Bespitzeln schützt wie das wissende Hinwegschauen über die Schweinereien des anderen die eigene Haut. Wahrhaftige Privatheit erlauben diese Mechanismen längst nicht mehr. Stets ist in den großen Duetten noch eine dritte Person anwesend. Cavaradossis Lehrling, den Christof Loy hinzuerfindet, mischt also für die Eingangsarie seines Meisters («Recondit’ ...

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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Peter Krause

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