Postapokalyptisch
Das Mittelmeer hieß im Römischen Reich mare nostrum, unser Meer, das Meer der Europäer. Wir sind nicht für jedes Leid der Welt zuständig. Für das Leid in unserem Meer sind wir zuständig. Wenn wir den Tod im Mittelmeer verhindern können, müssen wir ihn verhindern.» Das schrieb Jakob Augstein im Juli dieses Jahres im «Spiegel» in einem moralischen Appell unter dem Titel «Leben und sterben lassen».
Die Oper Köln hat den Satz im Programmheft zur Neuproduktion von Mauricio Kagels «Mare nostrum» abgedruckt – einer Art szenischen Kantate, in der es genau um jene Themen geht, die uns heute zum Thema «Mittelmeer» einfallen: Tod und Überleben, Machtdemonstration, Nationalismus, kulturelle Deutungshoheit – und vielleicht ein bisschen auch Solidarität.
Die Grundidee von «Mare nostrum», das von den Berliner Festwochen 1975 zum Thema «Musik des Mittelmeers» bestellt wurde, spiegelt die politische Atmosphäre der Zeit nach den Revolten von 1968 und das Interesse für die einstigen Kolonien in Afrika und Lateinamerika wider, ist aber zugleich eine aberwitzige, typisch Kagel’sche Geschichtsverdrehung. Was wäre gewesen, so fragte sich der von Buenos Aires nach Köln «emigrierte» Komponist, wenn nicht ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Michael Struck-Schloen
Man schrieb das Jahr 1996 in den Annalen des Rossini Opera Festival: Juan Diego Flórez sollte eigentlich die kleine Rolle des Ernesto in «Ricciardo e Zoraide» singen, übernahm aber stattdessen die zentrale Tenorpartie in «Matilde di Shabran» – und wurde über Nacht zum Star. Seitdem kehrt er ungefähr alle zwei Jahre zu dem Festival zurück, das im italienischen...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der für November 2018 angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser.
Eine Liste mit Kontaktdaten finden sie hier.
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
UA = Uraufführung
Deutsc...
Ganz schön ungemütlich, die «Zwischenzeit». Dass ihnen der Wind der Gegenwart so heftig ins Gesicht wehen würde, hatten Stefanie Carp und ihr Team wohl kaum gedacht, als sie das Wort zum programmatischen Motto der Ruhrtriennale erklärten. (Neo-)Kolonialismus, Reichtum und Armut, Migration, Nord-Süd-Konflikt, Nationalismus, Erosion demokratischer Strukturen: Die...
