Zirkus für Gesangsvirtuosen
Die dritte Staffel historischer Aufführungen der Metropolitan Opera, von Sony preiswert, aber in billiger Aufmachung veröffentlicht, bestätigt den Eindruck, dass Oper an diesem Hause lange Zeit mehr mit Zirkus als mit Theater zu tun hatte. Die Musik scheint oft nur Anlass zu sein, Sänger glänzen zu lassen. Sie werden beim Auftritt mit in das Orchesterspiel hineinplatzendem Beifall empfangen und nicht nur nach ihren Arien, sondern auch nach jeder Fermate auf einem Spitzenton lauthals bejubelt.
Die Dirigenten – vor allem versierte Routiniers wie Fausto Cleva und Kurt Adler – sind oft nicht mehr als Steigbügelhalter für die Gesangsvirtuosen der Neuzeit. Und keiner weiß seine Narrenfreiheit schamloser auszunutzen als Franco Corelli, der in einem «Trovatore» von 1961 zur Freude des Auditoriums dem Affen kräftig Zucker gibt.
Ein Jahr später wurde er in Salzburg von Herbert von Karajan im gleichen Stück stärker an die Kandare genommen. Wie dort war auch in der New Yorker Aufführung Leontyne Price seine Partnerin, die damals noch am Anfang ihrer Weltkarriere stand. Sie hat die Leonora nicht weniger als dreimal im Studio aufgenommen und bietet auch hier – stimmlich frisch und glutvoll im ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Die Premiere wurde live auf BR Klassik übertragen und stand unter keinem guten Stern: Beide alternierenden Solistinnen für die Rolle von Wilhelm Tells Sohn Jemmy waren indisponiert. Michaela Maria Mayer spielte immerhin, aus dem Graben sang Einspringerin Claudia Braun, die aber nicht alle Arien der fast immer anders gekürzten Oper kannte, so dass im Schlussakt...
Denkbar unspektakulär, das Ganze. Einfach nah an Wort und Musik. Leicht stilisiert, immer aus der Körpersprache der Figuren lebend, Farben und Gesten genau setzend. So wie Christof Loy seit Jahren (fast) immer arbeitet. Bei seinem Berlin-Debüt hat der knapp fünfzigjährige Regisseur damit jetzt Ovationen ausgelöst, wie sie in Opernhäusern der Hauptstadt lange nicht...
1590 wurde ein Komponist zum Mörder: Carlo Gesualdo di Venosa war zu Ohren gekommen, dass seine Frau ihn betrüge. Er täuschte einen Jagdausflug vor, erwischte sie mit ihrem Liebhaber in flagranti und tötete beide.
Siebzig Jahre nach dem Doppelmord stilisierte der Librettist Giacinto Andrea Cicognini das Geschehen zu einer 46 Szenen umfassenden «opera tragica». Und...
