Schiefgegangen
Die Premiere wurde live auf BR Klassik übertragen und stand unter keinem guten Stern: Beide alternierenden Solistinnen für die Rolle von Wilhelm Tells Sohn Jemmy waren indisponiert. Michaela Maria Mayer spielte immerhin, aus dem Graben sang Einspringerin Claudia Braun, die aber nicht alle Arien der fast immer anders gekürzten Oper kannte, so dass im Schlussakt Heidi Elisabeth Meiers Stimme als Aufzeichnung von einer Hauptprobe zu hören war.
Klingt kompliziert, war es auch.
Zumal Regisseurin Elisabeth Stöppler von vornherein eins draufgesetzt hatte, indem sie Sohn Jemmy in eine Tochter verwandelte. Warum, teilte sich allerdings nicht mit. Im Vorfeld redete Stöppler zwar viel über Freiheit und den Preis der Freiheit, konkret scheint sie sich jedoch in erster Linie an dem Tyrannen Gessler orientiert zu haben.
Kein Zuschauer hat die Chance zu begreifen, worum es in dem Stück geht. Denn die mit etlichen Preisen bedachte Regisseurin weiß mit dieser Geschichte nichts anzufangen, außer sie mit einschlägigen Untugenden zu garnieren – als da sind: blinder Aktionismus, Dramaturgen-Belehrungen in Bewegtbild und Ton, Verrätselung und Verkleidung, Dekonstruktion und Umwertung von Handlung und ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Monika Beer
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