Bewundernswert
1590 wurde ein Komponist zum Mörder: Carlo Gesualdo di Venosa war zu Ohren gekommen, dass seine Frau ihn betrüge. Er täuschte einen Jagdausflug vor, erwischte sie mit ihrem Liebhaber in flagranti und tötete beide.
Siebzig Jahre nach dem Doppelmord stilisierte der Librettist Giacinto Andrea Cicognini das Geschehen zu einer 46 Szenen umfassenden «opera tragica». Und weitere drei Jahrhunderte später verdichtete der italienische Komponist Salvatore Sciarrino diese wiederum zu einem Zweiakter von einer guten Stunde Spieldauer.
Sciarrinos Text umkreist Grundkonflikte: Hoffnungen und Ängste, an denen Liebe sich entwickeln, aber auch selbst zerstören kann. Er weist aber über das Alltägliche hinaus, indem er aufzeigt, wie vertraute Gefühle sich ins Pathologische steigern können.
«Luci mie traditrici» («Meine trügerischen Augen»), 1998 bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführt, erfordert nur ein kleines Orchester von 21 Musikern inklusive zwei Saxofonisten. Dieses verkörpert aufs Schönste die Vorstellung des Autodidakten Sciarrino von Musik als Organismus: Die Blechbläser atmen und schnaufen, die Holzbläser klappern mit den Zähnen und schlagen mit den Flügeln, die Streicher plappern und ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 22
von Jörg Hillebrand
Knapp eine Viertelstunde vor Schluss, einen Takt nach Ziffer 199 a des Klavierauszugs, betritt Freud in Gestalt des Tenors Manuel von Senden die Bühne. Mürrisch beklagt er die mangelnde Illumination des (von Katrin Connan aus durchsichtigen Folien errichteten) Etablissements für mental Instabile, überlässt sich leichtsinnigerweise der Führung einer beflissenen...
Manchmal weiß man nach den ersten Tönen, wie es wird. So bei Micaela Carosis Auftritt in der Frankfurter «Adriana Lecouvreur». Sage und schreibe einer Erstaufführung an diesem Hause und in dieser Stadt – recht merkwürdig angesichts eines durchaus berühmten, nicht wenig dankbaren Werkes. Da wird also, wie bei einigen Puccini-Opern, vor dem Erscheinen der weiblichen...
Lajos Lencsés, Solo-Oboist des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR (RSO) von 1971 bis 2008, war «schockiert», als er in Südfrankreich aus der Presse erfuhr, was seinem ehemaligen Orchester droht: die Fusion mit dem SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg (SO). Peter Boudgoust, der Intendant des Südwestrundfunks, hatte Anfang Februar den Verwaltungsrat...
