Zauber und Schauder

Robert Wilsons Brüsseler «Aida» und Ermanno Olmis Leipziger «Ballo» auf DVD, dazu eine grandiose «Aida» aus dem Jahr 1955 auf CD

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Seit Robert Wilson Wagners «Parsifal» 1991 in Hamburg in ein statisches, antipsychologisches Epos verwandelte, gelten Opern­inszenierungen des amerikanischen Bühnenkünstlers an etablierten euro­päischen Häusern als intelligente, nicht zuletzt optisch dankbare Alternative zu den psychologisierenden Deutungen des verbreiteten Regietheaters. Wilsons in blaues Licht getauchte «Aida» von 2002 am Brüsseler Théâtre Monnaie wurde zwei Jahre nach ihrer Premiere aufgezeichnet und ist nun beim Label Opus Arte als DVD erschienen.

Einmal mehr wird hier dokumentiert, dass Wilson unter jenen Opernmachern, die mit einem oder mit beiden Füßen in der Bildenden Kunst stehen, ein beglückender Sonderfall ist. Für seine regieambitionierte Kollegen stellt die Formung und das Einfügen von Sänger­gesten in einen noch so durchgestylten theatralen Raum meist eine unüberwind­liche Hürde dar (so wenige Monate vor der «Aida»-Aufzeichnung für den flämischen Künstler Jan Fabre, der in «Tannhäuser» an gleichem Ort esoterisch verrätselte Bildsymbole mit konventioneller Rampensteherei kombinierte). Es bleibt ein ausgesprochenes Wilson-Kunststück, die Bewegungen der Sänger und das Ganze seines durch Farben assoziativ ...

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Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: DVDs, Seite 74
von Matthias Nöther

Vergriffen
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