Aus dem Geist des psychologischen Kammerspiels

Nikolaus Lehnhoffs Salzburger ­Inszenierung von Schrekers «Die ­Gezeichneten» auf DVD

Opernwelt - Logo

Nikolaus Lehnhoff zählt zweifelsohne nicht zu jenem Typus des Opernregisseurs, der sein Heil in plakativen Gesten oder in schrillen Bildern sucht. Lehnhoff interessiert weniger die Außenseite der Figuren als vielmehr die – meist subkutan wirkenden – emotionalen Kräfte, die sie ins Glück oder ins Elend stürzen. Ausgangspunkt seines szenischen Denkens ist stets der wache Sinn, das feine Gespür für die unendlich differenzierte Farbskala der menschlichen Seele.

Ob Lehnhoff Wagner, Strauss oder Janácek, Beethoven, Berg oder Schreker auf die Bühne bringt – alles scheint bei ihm aus dem Geist des psychologischen Kammerspiels geboren. Man muss schon sehr genau hinschauen, um sich die subtile Charakterisierungskunst dieses Regisseurs zu erschließen.
Insofern ist es meist ein besonderes Glück, wenn eine Lehnhoff-Produktion für die TV- und DVD-Verwertung mitgeschnitten wird. Denn was – eine kluge Disposition vorausgesetzt – die Kamera (qua Zoom) in Fokus bringen kann, lässt sich aus der Parkett-, geschweige denn der Rangperspek­tive oft selbst mit dem besten Opernglas kaum verfolgen: ein suggestiver Wimpernschlag, ein leichtes Beben der Nasenflügel, ein sehrender Blick. So verlor sich auch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: DVDs, Seite 75
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Musik ist mein Drogenersatz

Frau Schäfer, die «Winterreise» ist einer der bekanntesten deutschen Liederzyk­len, eine hochromantische Hausmusik. Ist er auch so etwas wie die Oper des Bürgertums?
Die «Winterreise» ist genau das Gegenteil, eine kompromisslose Abrechnung mit spießigen, bürgerlichen Konventionen. Und dabei gibt es kein Wenn und kein Aber, es geht um Leben und Tod. Für mich ist es...

Zerbrecht euch den Kopf!

Herr Zednik, in einem Interview haben Sie einmal ­gesagt, Ihre Lieblingspartie sei Tris­tan.
Natürlich. Oder Otello. Oder Tannhäuser. Nur leider hat mir der liebe Gott die Stimme dafür nicht gegeben.

Welche der einhundertfünfzig verschiedenen Partien, die Sie im Verlauf Ihrer Karriere gesungen haben, waren für Sie die wichtigs­ten?

Von der Potenz her waren es schon...

Der Melodiker

Die Einträge fehlen in Deutschlands gängigen Opernhandbüchern. Zwischen Mussorgskyjs «Boris Godu­now» und Nicolais «Lustigen Weibern» findet sich dort nichts. Wo eigentlich Josef Myslivecek hingehört, klafft eine Leerstelle im hiesigen Musikwissen. Wenn also die Kammer­oper Schloss Rheinsberg den Böhmen auf ihre Fes­tivalbühne brachte, tat sie, was in größeren...