Wucht, Würde, Weitsicht
«Die Soldaten» wiedergehört. Ohne Szene. Das Stück läuft ja bei der RuhrTriennale mit riesigem Erfolg und wird in der Bochumer Jahrhunderthalle ständig wiederaufgelegt. Auch bei Willy Decker in Dresden war es ein Erfolg, ebenso bei Harry Kupfer in Stuttgart, Hans Neuenfels in Berlin. Vielleicht geht es den «Soldaten» so wie Debussys «Pelléas»: Das Stück wird wenig gespielt, aber dann meist sehr gut. Dünnbrettbohrerei kommt selten vor. Ausnahme: die englische Erstaufführung an der ENO (siehe OW 2/97).
Dass seine «Soldaten» einmal zum Publikumserfolg werden würden, hätte sich Bernd Alois Zimmermann sicherlich nie träumen lassen.
Nun also zu Hause, mit der Partitur auf den Knien. Historische Moderne. Aber in ihrer Wucht, Würde und Weitsicht vollkommen ungebrochen. Jede Partiturseite ein schüchterner, größenwahnsinniger Antwortversuch auf die Frage, was Musik kann und sein kann, sein will. Seriell und doch sinnlich. Die Zeit als Raum. Alles aufgeladen mit Fragen nach letzten oder zumindest vorletzten Dingen, messianisch, existenziell. Viele Komplexitäten gehen bei einer Live-Aufführung mit Szene zwangsläufig unter. Die Finessen der Artikulation zum Beispiel, die sich Zimmermann ...
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