Todesgemeinschaft
Einundachtzig Jahre nach ihrer Uraufführung im Januar 1927 hat die Dresdner Semper-Oper Othmar Schoecks Kleist-Oper «Penthesilea» erneut auf den Spielplan gesetzt und damit nach der Basler Produktion vom vergangenen November (siehe OW 12/2007) ein weiteres Mal die Lebensfähigkeit des selten gespielten Werkes bewiesen.
In seiner strengen Inszenierung hat Günter Krämer sich weit stärker als Hans Neuenfels in Basel auf die Liebestragödie von Penthesilea und Achilles konzentriert, die sich auf dem Schlachtfeld begegnen, die Urfeindschaft der Geschlechter nicht überwinden können und nur in der Todesgemeinschaft zueinander finden. Krämer setzt dabei auf einfache, aber wirkungsvolle optische Kontraste. Jürgen Bäckmann hat ihm auf die leere Bühne ein großes, flaches Podest gesetzt, auf dem eingangs die kriegerischen Auseinandersetzungen der Amazonen und der Griechen stattfinden. Nach der Niederlage Penthesileas durch Achilles hebt sich das Podest in die Vertikale und präsentiert frontal die beiden wie in einem Netz gefangenen Protagonisten, die sich langsam von der jetzt goldschimmernden Spiegelwand abseilen. Später schließt Bäckmann den Raum durch einen schwarzen Vorhang, so dass sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Außerhalb Großbritanniens sind Aufführungen des musiktheatralischen Œuvres von Michael Tippett selten. Die großartige Münchner Produktion seines Erstlings «A Midsummer Marriage», komponiert 1952, in der Regie von Richard Jones war 1998 eine Ausnahme. «The Knot Garden» (1970) oder «The Ice Break» (1976) wurden hierzulande allenfalls per CD bekannt. Jetzt ist mit...
Gegen die Meinung, dass «Aida» von lebenden Elefanten und sterbenden Tenören handelt, hat die Deutsche Oper Berlin schon früh Widerspruch eingelegt. Zur Eröffnungswoche des Hauses verbannte Wieland Wagner 1961 alles Styropor-Ägyten. Karl Böhm stand am Pult. Später leiteten dort Claudio Abbado, Daniel Barenboim und Giuseppe Sinopoli Verdis heikle Mischung aus...
Sie hatte einen wunderbar präzisen Humor. Als Inga Nielsen, noch ganz junge Sängerin, einen Vorsingtermin bei Herbert von Karajan bekam, war sie verständlicherweise aufgeregt. Der Maestro mit den stahlblauen Augen fixierte sie scharf und sagte etwas wie: «Nun seien Sie doch nicht nervös. Wir wollen nur ein bisschen Musik machen.» Sie konterte: «Wären Sie etwa nicht...
