Wucht und Deutlichkeit

Daniel Barenboim dirigiert in Berlin seine erste «Tosca». Auch in Hannover kommt das Feuer vor allem aus dem Graben

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Puccini hat Konjunktur, mehr denn je. Das war mal anders: Der Genera­tionsgenosse Mahlers und Debussys, Erzähler großer Opernemotionen, war kein «Zeitgenosse der Zukunft». Gewiss, Puccini ist auf den Bühnen und beim ­Publikum immer gefeiert worden, nur die höheren Weihen der Kulturwissenschaften und des Bildungsbürgertums fehlten. Dass jetzt Daniel Barenboim als 71-Jähriger zum ersten Mal Puccini dirigiert, sagt viel über die heutige Aufwertung des Komponisten.

Barenboim hört in der «Tosca» den Zeitgenossen Debussys, sogar den verkappten «Modernen» – aber keine Vulgarität oder Sentimentalität. Folglich gehört Barenboims Puccini nicht ins Fach des schrundig-harten italienischen Verismo, sondern mehr in die lyrischen, von großen Spannungsbögen erfüllte Ausdruckswelt in der Nähe Wagners.

Das mag Kritik oder Verstörung auslösen – und ist doch in den Klangdetails faszinierend, in der Gesamtanlage von ausladender Dramatik. Barenboim und seine Staatskapelle entfalten im überakustischen Berliner Schiller Theater großes, tiefgründig spätromantisch-modernes Musiktheater. Die liebeslodernde Auseinandersetzung zwischen Tosca und Cavaradossi im ersten Akt, die Szenerie im zweiten, diese ...

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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wolfgang Schreiber

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