Wotans kühne Kinder
«Wotans kühne Kinder» lautete der Titel einer Veranstaltung der Bayerischen Staatsoper im Cuvilliéstheater, die ich Ende Juli 2000 moderieren durfte. Die kühnen Kinder waren Martha Mödl, Astrid Varnay und Ingrid Bjoner. An dieses Zusammentreffen musste ich in den vergangenen Monaten oft denken, als ich die Archive der Düsseldorfer Oper und des Theatermuseums nach Mitschnitten und Fotos für die CD-Edition zum Fünfzigjährigen der Deutschen Oper am Rhein durchforstete (siehe S. 66 f.). Martha Mödl war im Dezember 2001 gestorben.
Astrid Varnay hatte sich nach fünfundfünfzig Bühnenjahren ins Privatleben zurückgezogen und wollte begreiflicherweise in Ruhe gelassen werden. Dennoch hatten wir noch ein kleines bisschen Hoffnung, dass sie die Einladung zur Jubiläumsfeier am 28. September annehmen und kommen würde. Sie hatte die Rhein-Oper vor fünfzig Jahren als Elektra eröffnet und in den folgenden Jahrzehnten das künstlerische Profil des Hauses stark geprägt. Mit Ingrid Bjoner hatte ich zuletzt Mitte August gesprochen, wegen der Veröffentlichung ihrer «Aida»-Aufnahme auf besagter CD. Sie meinte, dass sie wahrscheinlich noch andere Mitschnitte aus ihren frühen Jahren habe, nur seien alle ...
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Eine Szene gibt es an diesem Abend, die ist so bewegend, dass sie beinahe atemlos macht. Es ist eine Szene, in der die Musik von Andrea Lorenzo Scartazzini, die sonst so gern auftrumpft, dem Schweigen nahe ist, wo sie dem Bild die Macht überlässt, den Worten. Rechts, am Rand der Bühne, Judit, die Tochter des Mörders Goncalvez, im roten, gleichsam blutdurchtränkten...
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