Totentanz

Erfurt, Scartazzini: Wut

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Eine Szene gibt es an diesem Abend, die ist so bewegend, dass sie beinahe atemlos macht. Es ist eine Szene, in der die Musik von Andrea Lorenzo Scartazzini, die sonst so gern auftrumpft, dem Schweigen nahe ist, wo sie dem Bild die Macht überlässt, den Worten. Rechts, am Rand der Bühne, Judit, die Tochter des Mörders Goncalvez, im roten, gleichsam blutdurchtränkten Kleid; links, weit entfernt, der rasende Rächer, Pedro. Hinter ihnen die Fülle der Toten, Geknechteten, Geschändeten. «Kennst du die Liebe?», fragt in diesem Augenblick der Stille Judit. Keine Antwort.

Nur ein leises Flirren, Hauchen im Graben; Engelsgesang, wo­möglich. Und fast vermeint man, die Rettung sei nahe, die Rettung durch die Liebe.
Liebe: Davon ist wenig die Rede in der Oper in sieben Bildern und einem Epilog «Wut» des jungen schweizerischen Komponisten (Jahrgang 1971), die am Theater Erfurt aus der Taufe gehoben wurde. Ganz im Gegenteil. Das Sujet, dem Mittelalter entliehen und von Chris­tian Martin Fuchs in ein anspruchsvolles Libretto gefasst, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Portugal, im 12. Jahrhundert. Alfons, König von Portugal, will nicht, dass sein Sohn Pedro die schöne Ines, ehemals Hof­dame von ...

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Opernwelt November 2006
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Jürgen Otten

Vergriffen
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