Wenn die Musik zum Raum wird
Die drei punktierten Akkordschläge werden schon vor Beginn der Aufführung eingespielt. Und schon da sind sie mehr als bloß das Einlasszeichen. Sie heben vielmehr den Abstand auf – zwischen Alltagswelt und Zauberstück, zwischen Publikum und Künstlern. Spätestens nach der Pause wird einem das so richtig bewusst, wenn Sarastro, das heißt eigentlich: der Sänger Brindley Sherratt zum Mikrofon greift und den Zuschauern erklärt, wie wichtig diese «Versammlung» sei: «Wir befinden uns in Zeiten der Krise».
Auf einmal begreift man auch, dass diese Konferenz im Amsterdamer Muziektheater, zu der sich Vertreter aus Politik, Kultur und Religion eingefunden haben, uns alle angeht, selbst wenn hier anscheinend nur das märchenhafte Schicksal eines Prinzen verhandelt wird. Welcher «Mensch», so werden sich unter den Anwesenden nicht wenige gefragt haben, unterzieht sich schon aus freien Stücken vergleichbaren Prüfungen, bevor er ein Regierungsamt übernimmt? Wer besitzt Tugend, Verschwiegenheit, ist überdies wohltätig genug, um vor einem hohen Haus bestehen zu können?
Der dreifache Bläserakkord hat Symbolkraft. Er baut die Brücke zwischen dem Leben da draußen und dem Spiel hier drinnen. Dazu passt, ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hartmut Regitz
Nicht einmal 100 Sängerinnen und Sänger gibt es weltweit, die als Stars gelten. Für die anderen kann das Leben bitter werden. 1600 Euro brutto Mindestgage im festen Engagement – bei unbegrenzter Zahl an Proben und Vorstellungen. Ständige Selbstbehauptung. Arbeitszeiten, die sich kaum mit einer Familie koordinieren lassen. Soziale Unsicherheit angesichts kurzer...
Elsa gibt es zweimal, Gottfried dreimal. Oder womöglich gar viermal? Erträumt sich die junge Herzogin von Brabant ihren Bruder ebenso wie ihren Ritter – als Retter aus der Erziehungshölle? Claus Guth stellt in seinem Lohengrin an der Mailänder Scala Wagners Werk von den Füßen auf den Kopf. Das kalkulierte, das rationale Böse, so seine Grundannahme, ist doch in...
Ganz schön krass, diese Früchtchen. Berliner Gewächse, allesamt. Kess, ein bisschen vorlaut, selbstbewusst. Prinzessinnen aus der Kiste. «Komische Orange» steht auf der einen, «Staatsorange» auf der zweiten, «Deutsche Orange» auf der dritten. Kichern erwünscht. Robert Carsen hat an der Deutschen Oper Prokofjews absurdes, surrealistisch überdrehtes...
