Wege zu Wagner
Immer noch gibt es vermeintlich weiße Flecken in der Wagner-Forschung. Die Musikwissenschaftlerin Eva Rieger hat jetzt eine Biografie Friedelind Wagners vorgelegt, der 1918 geborenen Tochter von Siegfried und Winifred Wagner. Vor der Hitler-Beweihräucherung, die aus dem grünen zunehmend einen braunen Hügel werden ließ, floh Friedelind, sie emigrierte. Erst nach dem Krieg kehrte sie zurück – mit der Hoffnung, an Neu-Bayreuth beteiligt zu werden. Doch das Brüderpaar Wolfgang und Wieland ließ sie außen vor.
Riegers Buch ist prall an Informationen, reich an Detailbeobachtungen. Es liefert plastische Bilder und resümiert anschaulich einige herbe Kapitel in der Bayreuth-Historie. Eine (noch) umfassendere Darstellung wurde möglicherweise dadurch verhindert, dass der Autorin der Zugang zu Wolfgang Wagners Privatarchiv verwehrt blieb. Interessant lesen sich vor allem die Kapitel zu den von Friedelind abgehaltenen, von Wieland und Wolfgang mehr geduldeten als geschätzten Meisterkursen in Bayreuth, die sie und ihre Schüler auch nach Berlin zu Walter Felsenstein führten.
Dennoch kann das Buch nicht ganz überzeugen, auch weil das Lektorat an einigen Stellen kritischer hätte hinschauen sollen. So ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Medien, Seite 38
von Christoph Vratz
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