Projektionsfiguren
«No, non voglio morire! Amore... aita!», schluchzt Manon. Der elegante Herr, den sie um Hilfe anfleht, zeigt sich zwar tief bewegt, aber letztlich unerbittlich: Der Bühnentod muss eingehalten werden. Der Abweisende ist nämlich Puccini selbst (in Gestalt von János Mischuretz), schon vorher stets präsent, Zigarette im Mundwinkel, Gehrock, Melone. Und Manons Sterben ist künstlerisches Konzept.
«Letztlich töten wir die Liebe, um sie zu greifen, sie durch Kunst zu erlösen», erklärte Regisseur Stefan Herheim bereits vor acht Jahren, als er in Wien an der Volksoper «Madama Butterfly» inszenierte (und dabei den Komponisten ebenfalls auf die Bühne brachte). Puccini habe sich auf diese Weise Bedürfnisse erfüllt, die er im wirklichen Leben nicht realisieren konnte.
Mit den Protagonistinnen seiner Opern verkehrte der Meister aus Lucca oft mehrere Jahre lang mit äußerster Intensität, schuf Projektionsfiguren, Ideenfrauen. Die Parallele zu Wedekind/Bergs «Lulu» bietet sich an, zumal die Bemerkung Karl Kraus’ über eine, «die sich erst im Jenseits den Schlaf aus den Augen reibt», durchaus auch auf Manon zutrifft. Nicht so sehr auf jene von Abbé Prévosts Roman, vielleicht auch nicht unbedingt auf ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché
Biografisch-kalendarische Parallelen verweisen manchmal – über den puren Zufall hinaus – auf fundamentale Analogien oder Gegensätze. Wenn nun der hundertste Geburtstag von John Cage und der Tod von Hans Werner Henze so nahe beieinander liegen, so lässt dies über etwaige Zusammenhänge reflektieren. Wobei evident scheint, dass beide Komponisten so epochale wie polare...
Wie stets bei rosalies Opernarbeiten dominiert der Bühnenraum. Tannhäusers Pilgerfahrt ins Innere der Seele illuminiert eine Lichtinstallation, die die Bühne umschließt und dem Ganzen eine schillernde Mischung aus Neoromantik und kaltem Industriedesign gibt: wabenartig montierte Wände, die magisch in allen Farben changieren, vorzugsweise rot, wenn es um die...
Jubilare
An Selbstbewusstsein hat es Sumi Jo nie gemangelt. Auf ihrer Website posiert die 1962 in Seoul geborene und dort ausgebildete Sopranistin als Luxusgeschöpf vor einem Privatjet. Als 24-Jährige gab sie – nach weiterem Unterricht an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom – als Gilda in Verdis «Rigoletto» ihr Debüt auf der Opernbühne. Seitdem gastiert...
