Wechselspiel
Vorn, ganz nah am Wasser des Bodensees, ein in Blau getränkter Raum. Das Refugium des Calaf, zugleich aber auch die Arbeitsklause des Komponisten. Auf dem Klavier windbewegte Noten. Sinnend hockt er da und betätigt eine Spieluhr, wie auch Giacomo Puccini eine besaß. Es ertönt eine Melodie, die nachher auch in dessen letzter, unvollendeter Oper «Turandot» erklingt. Und der Sänger des Calaf trägt einen Schnauzer, dem des Komponisten auffallend ähnlich. Für den Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli gilt die Gleichung: Calaf ist Puccini.
Freilich: Hat der beharrliche Kampf des «unbekannten Prinzen» um die Liebe der männerhassenden und -mordenden Turandot letztlich doch noch Erfolg, so war das beharrliche Streben des an Kehlkopfkrebs leidenden Opernschöpfers nach der Vollendung seines Werks vergeblich.
Drinnen im Bregenzer Festspielhaus eine bühnenhimmelhohe, steile Treppe. Was Christof Hetzer für «Hoffmanns Erzählungen» bauen ließ, machte den Pariser Folies Bergère oder den Varietétempeln von Las Vegas alle Ehre. Und bald trippelt ein schmächtiger Herr, angelichtetes Haar, Kneifer, Backenbart, das Cello in der Rechten, die Stufen hinab: unverkennbar Jacques Offenbach. Auch ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Heinz W. Koch
Vielfach geteilte Streicherklänge flirren wie Hitzewellen über der Bühne des Linbury Studios im Royal Opera House: «Cities of Salt», zweite Szene eines work in progress. Ein Wadi in irgendeinem arabischen Land, irgendwann in den 1930er-Jahren. Das englischsprachige Libretto basiert auf Abdelrahman Munifs gleichnamigem Roman; es geht um die Folgen des Ölgeschäfts in...
Während des Finales des diesjährigen Belvedere Wettbewerbs, das nach 2013 zum zweiten Mal in Amsterdam ausgetragen wurde, dachten wir an Anselm Gerhards «Einspruch aus dem Elfenbeintrum» im Juli-Heft und seine Forderung nach expressivem, wenn nötig hässlichem Gesang. Freilich, was unter Donizetti und Verdi als hässlich galt, ginge heute vermutlich als schön...
Niemals stand der Amerikaner Alan Curtis im Verdacht, der temperamentvollste, unberechenbar genialischste Überflieger der Alten Musik zu sein. Er wirkte besonnen, dienstfertig und defensiv. Führt man sich die enorme Zahl seiner Ersteinspielungen von Barockopern vor Augen, die eine Entstehungszeit von knapp einem halben Jahrhundert umspannen, so steht man betroffen...
