Schichtarbeit
Vielfach geteilte Streicherklänge flirren wie Hitzewellen über der Bühne des Linbury Studios im Royal Opera House: «Cities of Salt», zweite Szene eines work in progress. Ein Wadi in irgendeinem arabischen Land, irgendwann in den 1930er-Jahren. Das englischsprachige Libretto basiert auf Abdelrahman Munifs gleichnamigem Roman; es geht um die Folgen des Ölgeschäfts in der Golfregion, für das Individuum und für eine ganze Kultur. «Geld, Ideologie und Politik – das Öl hat den mittleren Osten gezeichnet», sagt Zaid Jabri.
Für ihn ist das Stück deshalb aber nicht primär eine arabische Oper. Zwar erschien die Vorlage 1984 auf Arabisch. Doch Munif, Jordanier saudi-arabischer und irakischer Abstammung, lebte auch in Bagdad, Kairo, Paris, Belgrad und Damaskus. Der amerikanische Autor und Übersetzer Peter Theroux übertrug «Cities of Salt» ins Englische. Jabris New Yorker Librettistinnen, Rosalind Morris und Yvette Christiansë – geboren in Kanada und Südafrika – kamen über das Brunel Institute for Contemporary Middle Eastern Music in der Nähe von London mit dem Komponisten in Kontakt. Und er selbst wuchs in Damaskus auf, wo er enge Freundschaften mit Türken, Armeniern, Tscherkessen, Iranern und ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 89
von Yehuda Shapiro
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Konzertante» Aufführungen von Opern hat es immer gegeben: zunächst vor allem im privaten Rahmen wie noch bei der einzigen Wiener Aufführung des «Idomeneo» zu Mozarts Lebzeiten. Oder im Umgang mit avantgardistischen Werken wie 1874 bei der ersten Wiener (Teil-)Aufführung von Wagners «Die Walküre» mit zwei Klavieren. Ähnlich, als sich das offizielle Paris verweigerte...
Fünf Holzstühle, vorn rechts. Fünf Grablichter. Vor jedem Stuhl eines. Sonst ist nichts zu sehen, wenn zu Beginn des dritten Aufzugs die Streicher trauertrunken, «mäßig bewegt», in sehrendem Klageton verkünden, dass dem liebesglühend-todessüchtigen Paar auf Erden wohl nicht mehr zu helfen ist. Kareol liegt im Dunkel. Im opaken Dunst eines Nirgendwo. Zum leeren...
