Wagner: Der fliegende Holländer
Gottfried Pilz verzichtet auf jegliche Örtlichkeit und zeigt Wagners romantische Gespensteroper als Seelendrama zweier Individuen, die sich aus der Chormasse herauskristallisieren. Auf weißer Bühne, vor weißem Rundhorizont, agieren Menschen in weißer Krankenhauskleidung. Assoziationen an geschlossene Psychiatrie, aber auch an antikes Chordrama stellen sich ein. Senta und der Holländer werden als narzisstisch gestörte Persönlichkeiten vorgeführt.
Symbol des Narzissmus ist ein großer, goldener, leerer Bilderrahmen, der sich beim Auftritt des Holländers vom Bühnenhimmel herabsenkt. Am Ende überwindet sich der Holländer und verzichtet auf Sentas Untergang, Senta ihrerseits verzichtet auf ihr Leben zugunsten seiner Erlösung. Der narzisstische Teufelskreis ist damit unterbrochen, das Spiel mit dem Bilderrahmen hat ein Ende, die Emanzipation des Weibes wie des Mannes scheint geglückt. Der Goldrahmen entschwebt in den Bühnenhimmel. Gottfried Pilz zeigt, dass Vereinigung schon im Diesseits möglich ist. Er weiß seine Lesart spannend umzusetzen. Es gelingt ihm, mit einem Minimum an szenischer Konkretheit ein Maximum an Bewegung und Personenführung, Lichtregie und Farbnuancen auszuloten. ...
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