Griechische Passion
Athens Megaron ist nicht irgendein Ort, um «Elektra» zu spielen. Das historische Mykene liegt nur eineinhalb Autostunden entfernt. Wenn die Mythe nicht lügt (was sie laut Ernst Bloch gern tut), dann kann man sich dort das Badezimmer vorstellen, in dem Agamemnons Schädel gespalten wurde – von seiner Frau. Hügelabwärts liegen die Tholosgräber der Atridensippschaft. Was Heinrich Schliemann hier fand, ist in Athens Nationalmuseum ausgestellt. Besonders natürlich jenes hauchdünne Goldporträt, das er für die Maske des Agamemnon hielt.
In den Südhang der Akropolis schmiegt sich das Dionysos-Theater. Dort kam die grausame Logik des Elektra-Stoffes erstmals auf eine Bühne. Sophokles forderte mit seiner Radikalversion Dutzende von Bearbeitern heraus, darunter Voltaire, Giraudoux, Sartre, Gerhart Hauptmann und Hofmannsthal. Des Letzteren psychologisch hochgerüstete Version wiederum war ein gefundenes Fressen für Richard Strauss, der nicht nur das Selbstbild des «griechischen Germanen» pflegte, sondern mit malträtierten Köpfen bereits Erfahrung und Erfolg gesammelt hatte: Nur ein Stoff wie «Elektra» konnte «Salome» toppen. Von den vier Theatersälen, über die Athens Kultur- und ...
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Che l’oratione sia padrona dell’armonia e non serva» – diese Forderung Claudio Monteverdis nach Sinnvermittlung stand als das erste Gebot des Gesangs am Beginn der Oper. Die Forderung ist von vielen Komponisten aufgenommen und paraphrasiert worden. Nach bitteren Theatererfahrungen mit sinnlos übersetzten oder nach Sängerlaune entstellten Texten schrieb Richard...
Fast siebzig Jahre hatte es nach der Züricher Uraufführung gedauert, bis Alban Bergs «Lulu» 1986 erstmals in Regensburg zu erleben war. Wiederum einundzwanzig Jahre später kam jetzt die zweite Inszenierung heraus. Intendant Ernö Weil realisierte die zweiaktige Fassung in der stimmigen Ausstattung von Daniel Dvorák, besetzt mit hauseigenen Kräften. Dass die...
Endspurt in der Bremer Oper. Nach dreizehn Jahren wird am Schluss dieser Spielzeit Klaus Pierwoß, der in der Hansestadt dienstälteste Intendant der Nachkriegszeit, sein Amt niederlegen. Ein über die lange Zeit hin mit viel Erfolg und überregionaler Anerkennung geführtes Amt, in dem er das Bremer Musiktheater zu einem wertbeständigen Begriff gemacht hat – trotz...
