Eine Frage der Balance
Nach jahrzehntelangem Modernisierungsstau in puncto Sicherheit und Bühnentechnik gingen 2004 im Hessischen Staatstheater Kassel die Lichter aus: Eine Generalsanierung war gefragt. Zweieinhalb Jahre später feierte man im für 36 Millionen Euro runderneuerten Haus die Premiere von «Tristan und Isolde» – eine Wiederbegegnung mit gemischten Gefühlen. Denn optisch und akustisch hat sich kaum etwas verändert. Von der grau-goldenen Zuschauerraumausmalung, die so auffällig ist wie ein eigenes Bühnenbild, bis zum allzu hoch gelegenen Orchestergraben ist vieles beim Alten geblieben.
Immerhin: Die neue Bestuhlung tut gut beim «Tristan». Drei Autostunden entfernt gab es keinen besonderen Anlass für «Tristan und Isolde», und in Koblenz würde man ihn auch nicht unbedingt erwarten: Das klassizistische Haus mit seinen knapp fünfhundert Plätzen ist für Wagner zu klein proportioniert. Nur die Platzierung des Orchesters auf der Bühne macht hier eine Aufführung überhaupt möglich. Kann man also beide Aufführungen vergleichen?
Sicherlich kaum in Hinsicht auf die Regie: Annegret Ritzel, der Hausherrin in Koblenz, bleiben nur die eingeschränkten Möglichkeiten des Spiels auf Vorderbühne und einem ...
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