Verkeilt in Lust und Scham
Bis jetzt hat Kasper Holten, seit 2011 Direktor des Londoner Royal Opera House, in der britischen Hauptstadt eher durch seine kommunikative Art und einen guten Draht zum Publikum gepunktet als mit seinen eigenen Produktionen. Weder sein ROH-Regiedebüt mit «Eugen Onegin» noch seine «Don Giovanni»-Inszenierung konnten Zuschauer und Kritik überzeugen. Mit seiner symbolistischen Lesart von Karol Szymanowskis «Król Roger» – der ersten Zusammenarbeit des Dänen mit seinem Musikchef Antonio Pappano – könnte sich das jetzt ändern.
Eine überdimensionale Nachbildung von König Rogers Haupt beherrscht die von Steffen Aarfing eindrucksvoll gestaltete Bühne. Im zweiten Akt dreht sich der Kopf und gibt auf seiner Rückseite Einblick in ein von Bücherreihen gesäumtes Treppenlabyrinth. Im dritten schließlich zerfällt er zu einem schwelenden Aschehaufen.
Marius Kwiecien in der Titelpartie verausgabt sich vokal wie darstellerisch ebenso wie Georgia Jarman als Roxana: In brennender Lust und Scham verkeilt sich das Königspaar ineinander, während sich die Ehe, das Reich und der Glaube unter dem Einfluss des rätselhaften Hirten in
zunehmender Auflösung befinden.
Dieser erscheint in der höhlenartigen ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Anna Picard
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