Mitten aus dem Leben
Ein Schuss. Ein Schrei. Ein Todesfall. Eine Szene in den Cape Flats, draußen vor den Toren Kapstadts, dargestellt von Schülern der Bloekombos Secondary High School. Wir hören Händel und neue Klänge. Endzeitlich anmutende Arien und Duette aus den Oratorien «Messiah» und «L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato» wechseln mit von Barock, Jazz und Xhosa-Melodien inspirierten Kompositionen der australischen Komponistin Catherine Milliken.
In «Comfort Ye», der jüngsten Opernproduktion des sozialen Musikprojekts Umculo/Cape Festival, treffen unter der Regie Robert Lehmeiers, der auch für Konzept und Libretto verantwortlich zeichnet, vier professionelle Nachwuchssänger auf zwei Schauspieler und 22 Jugendliche. Deren Lebensgeschichten bilden die Basis des Geschehens.
Wir verfolgen das Drama eines jungen Mannes, der beschuldigt wird, ein Mädchen vergewaltigt zu haben und von einer Gang ermordet wird. Das Mädchen, seine Freundin, bleibt fassungslos zurück. Kraftvoll die Mezzosopranistin Bongiwe Nakani als Mutter des getöteten Mannes. Der Tenor Rheinald Thsepo Moagi gibt einen Polizisten, der am Ende zusammenbricht: Er war es, der sich an dem Mädchen vergangen hat. Wir hören das «Thou shalt ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Saul-Francesco Uys Rootenberg
Zufall oder nicht: Die allermeisten der von mir erlebten «Boris»-Neuinszenierungen der letzten Jahrzehnte stützten sich auf den sogenannten Ur-Boris von 1869 – ohne Polen-Akt und Kromy-Bild, nach des Komponisten späterer Absicht das Finale eines «Volksdramas» mit einem kollektiven Subjekt als Hauptprotagonisten. Mit dieser Version spekulieren die Theater auf ein...
Der Ort, den sich die Birmingham Opera Company für ihr diesjähriges Großprojekt ausgesucht hat, liegt in einer rauen Gegend. Man kann bloß hoffen, dass Autoklauer bei diesem Wetter lieber zu Hause bleiben: Regen trommelt Wirbel auf Dixi-Klodächer. Die großen Zelte, die als Backstage-Bereich dienen, versinken langsam im Schlamm. Generatoren rumoren.
Innen posiert die...
Fernöstliche Esoterik als Antwort auf den westlichen Zivilisationsschock: Auch auf der Opernbühne scheint dieses Rezept zu funktionieren, das zeigt etwa der Erfolg von Toshio Hosokawas Musiktheater «Matsukaze» (Wind in den Kiefern). Nach der Brüsseler Uraufführungsproduktion (OW 6/2011), die auch in Berlin, Warschau und Luxemburg gezeigt wurde, folgte eine...
