Vandalismus
Paul Dukas’ «Ariane et Barbe-Bleue» ist einer der großen Opern-Solitäre des beginnenden 20. Jahrhunderts – ein musikalisches Meisterwerk, das gleichberechtigt neben Debussys «Pelléas et Mélisande» und Strauss’ «Salome» steht. Wesentlichen Anteil an der Faszination, die das Werk ausstrahlt, hat der rätselhafte Text des belgischen Symbolisten Maurice Maeterlinck, der den antiken Ariadne-Mythos und das zeitlose Märchen vom Frauenmörder Blaubart aufeinander bezieht.
Ariane öffnet gleich am ersten Tag die verbotene siebte Tür und findet dahinter ihre Vorgängerinnen, die Blaubart nicht ermordet, sondern nur stillgestellt und weggeschlossen hat. Aber die Frauen folgen ihr nicht in die Freiheit, sondern ziehen das unfreie Leben an der Seite ihres am Ende entmachteten Peinigers vor.
«Kein Mensch will befreit werden, man kann sich nur selbst befreien» – so hat Dukas die Handlung dieses inneren Dramas später gedeutet. Hier setzt seine Musik an, wenn sie in kühnen Harmonien und Farb-Ton-Korrespondenzen etwa die geöffneten Räume oder die Schicksale der befreiten Frauen in der Seele Arianes widerspiegelt. Sandra Leupold hat das handlungslose Stück auf die nackte Bühne gestellt – ein Trick, der ...
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