Väter und Söhne
Einen «wahren Invasionskrieg» zu führen, warf Hector Berlioz dem Kollegen Gaetano Donizetti vor, der die fünf Pariser Opernhäuser eine Zeitlang mit neuen Stücken und Überarbeitungen seiner italienischen Erfolge geradezu überschwemmte. Doch sein erster Versuch, an der Opéra groß herauszukommen, war erst einmal ein Fehlstart. «Le Duc d’Albe», auf ein Libretto von Eugène Scribe komponiert und 1839 fast fertig gestellt, wurde von der Intendanz zwar nicht abgelehnt, die Aufführung jedoch auf die lange Bank geschoben.
Der Komponist verlor danach offenbar selbst das Interesse an dem Stück, aus dem er einige Nummern (darunter die Tenorarie «Ange si pur») kurz darauf in «La Favorite» übernahm. Sein cleverer Librettist drehte das Buch später unter dem Titel «Les Vêpres siciliennes» Giuseppe Verdi an.
Erst viel später, 1882 in Rom, erlebte der Torso, von Donizettis Schüler Matteo Salvi vollendet, in einer italienischen Version seine Uraufführung, die aber weitgehend folgenlos blieb. Auf diese Fassung griff der italienische Rundfunk in einer Produktion von 1951 (mit Giangiacomo Guelfi in der Titelrolle) zurück, acht Jahre später brachte Thomas Schippers beim Festival in Spoleto eine eigene ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta
Wie kann sich ein Intendant in Putins Russland profilieren? Wie muss er sich verhalten? Valery Gergiev mit seinem unstillbaren Hunger nach Ausweitung seines Machtbereichs ist ein gutes Beispiel. Sich das Bolschoi-Theater zu angeln, ist dem Mariinsky-Chef nicht gelungen, stattdessen hat er jetzt ein Auge auf das Sankt Petersburger Konservatorium geworfen. Ein...
Herren mit Trachtenjanker sieht man kaum noch, von Festtagsdirndl oder Lederhos’n ganz zu schweigen. Demnach war früher alles besser? Anders eben. Und wer dachte, die Skitouristen aus Kitzbühel, Innsbruck oder dem Zillertal gönnen sich hier abendliche Klassik statt Gasthaus, sieht sich getäuscht: Die Tiroler Festspiele haben sich nicht nur etabliert, sie locken nun...
Singen sei, so verfügte einst der hier stellvertretend zitierte William James Henderson («The Art of Singing»), die «Interpretation eines Textes mit Tönen, die von der menschlichen Stimme produziert werden». Henderson fügte hinzu: mit «schönen» Tönen – womit immer auch die dramatisch richtigen gemeint sind. Singen wird hier, als verstünde sich dies von selbst, mit...
