Von Neuem träumen
Wie kann sich ein Intendant in Putins Russland profilieren? Wie muss er sich verhalten? Valery Gergiev mit seinem unstillbaren Hunger nach Ausweitung seines Machtbereichs ist ein gutes Beispiel. Sich das Bolschoi-Theater zu angeln, ist dem Mariinsky-Chef nicht gelungen, stattdessen hat er jetzt ein Auge auf das Sankt Petersburger Konservatorium geworfen. Ein anderes ist der Generaldirektor des Mikhailovsky-Theaters, Vladimir Kechman, der berüchtigte «Bananenkönig», der vor einigen Jahren das baufällige Gebäude mit eigenem Geld restaurieren ließ und dem Haus rasch zu Erfolg verhalf.
In der vergangenen Spielzeit liefen vor allem «Eugen Onegin» und «Billy Budd» gut. Die dritte Produktion, «Der fliegende Holländer», sollte ursprünglich Vera Nemirova inszenieren. Ihr Name verschwand, aus welchen Gründen auch immer, aus der Besetzungsliste; Vassily Barkhatov übernahm. Mit sicherem Riecher machte Kechman den dreißigjährigen Regisseur gleich nach der Premiere zum Künstlerischen Direktor. Barkhatov hat nicht nur am Mariinsky- und Bolschoi-Theater inszeniert, er ist in Russland vor allem als Fernsehmoderator bekannt. Außerdem ist Barkhatov Mitglied der Gesellschaftskammer, einer ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Alexej Parin
Ein neuer Operntypus erobert die Bühnen: die «Familienoper», ein Hybrid, der das schon existierende Genre der Kinder- oder Jugendoper so weit öffnen soll, dass sich auch der «erwachsene» Teil des Publikums nicht langweilt oder intellektuell unterfordert fühlt. Ein Balanceakt, bei dem man leicht nach der einen oder anderen Seite abrutschen kann. In Constantin von...
Die 1910 uraufgeführte heroische Komödie «Don Quichotte» ist zwar nicht Jules Massenets letzte Oper, aber wie Verdis «Falstaff» ein künstlerisches Testament. Elisabeth Stöppler, die in Gelsenkirchen mit einem viel beachteten Britten-Zyklus und zuletzt mit einer verstörend faszinierenden Sicht auf Dvoráks «Rusalka» Aufsehen erregte, hat Massenets Weltabschiedswerk...
Erst die banale Wahrscheinlichkeit und dann – neuer Anlauf – die Utopie, das gehoben-idealistische «Schön wär’s». «Fidelio» hat in Zürich einen dramatisch hereinplatzenden Vorspann. «Er sterbe», faucht Don Pizarro im Quartett des zweiten Akts. Im Handgemenge ein Schuss. Leonore ist tot. Wie angegossen der Sprung ins letzte Drittel der Leonoren-Ouvertüre Nr. 3. Mehr...
