Sterben an der Liebe
Die 1910 uraufgeführte heroische Komödie «Don Quichotte» ist zwar nicht Jules Massenets letzte Oper, aber wie Verdis «Falstaff» ein künstlerisches Testament. Elisabeth Stöppler, die in Gelsenkirchen mit einem viel beachteten Britten-Zyklus und zuletzt mit einer verstörend faszinierenden Sicht auf Dvoráks «Rusalka» Aufsehen erregte, hat Massenets Weltabschiedswerk jetzt am Musiktheater im Revier als eine Oper über den Tod, als Rückblick eines Träumers inszeniert, der durch die Liebe gleichzeitig lebt und stirbt.
Wenn der Vorhang aufgeht, sehen wir Quichotte in seiner Bibliothek sitzen und, noch vor der Ouvertüre, begeistert jenes Cello-Solo spielen, das später das Intermezzo vor dem Schlussakt einleitet – Motto eines Abends, in dessen Verlauf der alternde Sonderling sich seines Lebens erinnert, den wir zugleich aber auch als eine Huldigung an die transzendierende Kraft der Kunst und der Ideale verstehen dürfen.
Piero Vinciguerra hat ein mehrstöckiges Apartmenthaus auf die Drehbühne gesetzt, das mit Treppe, Toilette, Nasszelle, Küchenzeile, Wohn- und Schlafzimmer immer andere Räume öffnet. Dort haust Don Quichotte, dort lässt er sein Leben Revue passieren, wobei ihm Illusion und ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Uwe Schweikert
Manfred trägt eine dunkle Livrée mit zwei Reihen silberner Knöpfe. In dieser Uniform wird er mit seinen Dämonen ringen, wird er, ruhig und beherrscht, in den selbstgewählten Tod gehen. Bleich das Gesicht, hohl die Augen. Der düstere Held aus Lord Byrons gleichnamigem Gedicht tritt an der Pariser Opéra Comique als eine Art Kammerdiener auf. Seine zwiespältige...
In «Le Siècle de Louis XIV» (1751) notierte Voltaire, Rameau habe die Ohren verzaubert, Lully aber die Seele – nicht zuletzt, weil ihm Philippe Quinault zur Seite stand. Zwar waren auch Quinaults Libretti nicht immer einwandfrei. Aber Charles-Antoine Leclerc de La Bruères Libretto zu Rameaus dritter Tragédie lyrique «Dardanus» von 1739 widersprach dem gesunden...
Mancherorts heißt’s Kinder-, anderswo Jugendoper, doch Freiburg hat sich wie Aachen für eine «Familienoper» entschieden. Stofflieferant für «Oscar und die Dame in Rosa» ist der französische Erzähler Eric-Emmanuel Schmitt. Sein kleiner krebskranker Titelheld schaffte schnell den Sprung auf die Theaterbühne und die Filmleinwand. Auf die Opernszene verhalf ihm nun der...
