Berio ist der Caccini für heute
Singen sei, so verfügte einst der hier stellvertretend zitierte William James Henderson («The Art of Singing»), die «Interpretation eines Textes mit Tönen, die von der menschlichen Stimme produziert werden». Henderson fügte hinzu: mit «schönen» Tönen – womit immer auch die dramatisch richtigen gemeint sind. Singen wird hier, als verstünde sich dies von selbst, mit dem Sprechen verbunden.
Dass es eine unendliche Zahl anderer stimmlicher Ausdrucksmittel und spezieller Effekte gibt, ist Gegenstand einer faszinierenden Studie von Nicholas Isherwood: «The Techniques of Singing» – «Die Techniken des Gesangs». Isherwood geht von einer bemerkenswerten Prämisse aus: Jeder «Spezialist für zeitgenössische Musik» müsse in der Lage sein, auch Musik früherer Jahrhunderte überzeugend zu singen. Der amerikanische Bassbariton hat denn auch nicht nur die Partie des Luzifer in den Uraufführungen von «Montag», «Dienstag» und «Freitag» aus Karlheinz Stockhausens siebenteiligem «Licht»-Zyklus gesungen, sondern zentrale Partien in Opern von Monteverdi, Marais, Händel, Porpora, Messiaen und Viktor Ullmann.
Isherwood beschreibt in kurzen Abschnitten die Notations- und Interpretationsweisen der Musik des ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Jürgen Kesting
Sie heißen «Passion», «Maria Magdalena», «Im Anfang», «Weinstock» oder «Geist». Sie sind durchnummeriert, von I bis IX, doch die Reihenfolge spielt keine Rolle. Sie kreisen um Texte aus dem Johannes-Evangelium und der Apostelgeschichte, um apokryphe Quellen (Thomas-Evangelium) und die «Sprüche der Väter» (Pirqe Avot) aus dem babylonischen Talmud. Sie suchen in...
Auf die Knie gefallen ist er dann doch nicht. Das machen ja Pfauen auch nicht. Aber immer wieder müsse er Dank sagen für etwas, das er so noch nie im Opernhaus gesehen habe, preist Ioan Holender im Bonus-Track, es ist eine seiner «kulTour»-Sendungen auf Servus-TV. Die drehte sich um Michael Haneke und ist auf dieser Doppel-DVD Zugabe: ein bisschen Making-of, ein...
Bravsein ist kein Vergnügen. So jedenfalls empfinden es Wendy (Yuko Kakuta), John (Daniel Kluge) und Michael (Josefin Feiler), die Kinder der Familie Darling, im keimfreien Ikea-Schlafzimmer, das Duncan Hayler (von dem auch die fantasievollen Kostüme stammen) mit liebevoller Ironie auf die Bühne des Stuttgarter Opernhauses gestellt hat. Dort spielen sie unter der...
