Unter Schock
Mozart, Wagner, Massenet, Puccini, Strauss, Berg – Donald Runnicles hat an der Met bereits ein breites Repertoire dirigiert. Das Ergebnis bewegte sich dabei eher auf Alltags- als auf Festspielniveau. Die Premiere der neuen Produktion von Brittens «Peter Grimes» ergab ein anderes Bild. Runnicles gelang eine erstklassige Aufführung, vom ersten bis zum letzten Takt: nicht weniger packend in den Momenten gespannter Stille als in den stürmischen Ausbrüchen, die Orchesterzwischenspiele ebenso spannend wie der naturalistische Dialog.
Das Meer war in der Musik stets gegenwärtig, bisweilen matt, bisweilen voller Erwartung, bald erhaben, bald kosmisch indifferent. Der von Donald Palumbo vorbereitete Chor war, ganz im Sinne des Stücks, die «Hauptperson» des Geschehens.
Der Titelheld bleibt ein Rätsel. Ist er Unmensch? Opfer? Das knabenhafte Gesicht, die Aura verbeulter Unschuld und die hünenhafte Statur von Anthony Dean Griffey hoben die ganze Widersprüchlichkeit der Figur hervor. Die lyrischen Naturbetrachtungen sang er poetisch verträumt, die plötzlichen Zornattacken brachen hervor wie aus höllischen Seelenqualen. Griffeys Timbre evozierte bisweilen in unheimlicher Weise Erinnerungen an Jon ...
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er Intendant erscheint schon am Nachmittag im Frack. Keine Zeit mehr, um sich umzuziehen zwischen Hausrundgang, Gespräch und Premierenbeginn. Schließlich gibt es viel zu erzählen, zu zeigen, zu erklären im schmucken neuen Heim. Endlich mal ein Musentempel, der nicht geschlossen, sondern (wieder)eröffnet wird. Und so leuchten sie zu Recht, die Augen Anton Nekovars. ...
Was macht man mit dem Titelhelden? Besetzt man die große Kastratenpartie in Händels 1724 uraufgeführter Oper «Giulio Cesare in Egitto» mit einer Altistin oder einem Kontratenor? Oder vielleicht sogar mit einem Bariton, wie es vor dem Siegeszug der historischen Aufführungspraxis üblich war? Das Badische Staatstheater Karlsruhe entschied sich bei dem opulenten...
Zur Eröffnung des neu erbauten Teatro La Fenice am 16. Mai 1792 schrieb Graf Alessandro Pepoli, ein brillanter venezianischer homme de lettres, das ambitionierte Familiendrama «I Giuochi d’Agrigento» («Die Sportwettspiele von Agrigent») und Giovanni Paisiello, der gerade mit seiner sensationell erfolgreichen «Nina» ein neues Genre in Europa etabliert hatte, eine...
