Und die Oboen seufzen mit
Sie wütet und weint, kämpft und klagt. Hin- und hergerissen zwischen Hass und Liebe ist diese Zauberin. Ihr schlimmster Feind, der Kreuzritter Renaud, wird zu ihrem Liebhaber, der sie am Ende wieder verlässt. Gluck verleiht der Titelfigur seiner Oper «Armide» große emotionale Tiefe. Miriam Clark kostet mit ihrem beweglichen, runden Sopran jede Nuance dieses Seelengemäldes aus. Selbst in den dramatischen Passagen verliert die Stimme nie die Fokussierung.
Von Anfang an ist die Deutsch-Amerikanerin, die in den vergangenen Spielzeiten in Bern als Leonore und Violetta Valéry zu hören war, auch darstellerisch präsent.
Gluck löst in seinem Drame héroique das Nebeneinander von Rezitativ und Arie auf, zumal in der Titelpartie. Die Übergänge sind fließend. Die fast immer vom Orchester begleiteten Rezitative erhalten ariose Züge, die Arien meiden geschlossene Formen. Mario Venzago, Chefdirigent des Berner Symphonieorchesters, liegt dieses Repertoire: Er bürstet nichts gegen den Strich, raut den Klang vielmehr auf, besonders in den Streichern. Er spitzt Kontraste zu und wahrt trotzdem den Sinn für die große Linie. Die Blechbläser lässt Venzago auf Barockinstrumenten spielen; Posaunen ergänzen ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Georg Rudiger
Es ist geschafft. Die Festspiele in Pesaro haben alle 38 überlieferten Rossini-Opern vorgestellt – die 1813 für die Mailänder Scala komponierte Seria «Aureliano in Palmira» war die letzte (sieht man von dem Pasticcio «Eduardo e Cristina» ab). Die Wiederentdeckung dieses Œuvres für die Bühne ging nicht nur mit der Herkulesaufgabe einer historisch-kritischen Edition...
Der österreichische Komponist Johannes Maria Staud war im Sommer dieses Jahres einer von zwei composers in residence des Lucerne Festivals. Dominique Mentha, Direktor des Luzerner Theaters, nahm dies zum Anlass, einen schon früher erteilten, bisher aber noch nicht realisierten Auftrag zu erneuern. Im September endlich wurde Stauds Oper «Die Antilope» an dem kleinen...
Das alte Holz knarzt, die Treppenstufen geben leicht nach, trockene, würzige Luft zieht durch den Raum. Ein Raum, der im Wesentlichen noch so erhalten ist wie zur Entstehungszeit um 1680. Der Besuch im Ekhof-Theater im Gothaer Schloss Friedenstein ist ein Erlebnis für alle Sinne, für Augen, Ohren und Nase – und auch für die Hände, die behutsam über die Maserung...
