Über allen Fächern
«Opernwelt» hatte ihn schon auf dem Cover, als ihn noch keiner kannte. Vor sieben Jahren sang Jonas Kaufmann den Florestano in Paers «Leonora». Es war eine Produktion der Oper Zürich, und der Tenor fiel uns damals sofort auf: «Er gehört ohne Frage zu den begabtesten lyrischen Tenören seiner Generation. Das dunkel leuchtende Timbre bleibt sofort im Gedächtnis», hieß es in «Opernwelt» 11/2000. Daran hat sich nichts geändert. Das Debütalbum, das die Decca mit ihrem neuen Star im Januar herausbringt, bestätigt den alten Befund.
Bestätigt wird freilich auch, was ich damals mit leichter Sorge schrieb: Manchmal klinge ein Heroismus durch, der am Stil vorbeigehe. Auf seiner neuen CD singt Kaufmann Verdis Don Carlos stilistisch nicht viel anders als die Anrufung der Natur in Berlioz’ «Damnation de Faust». Ob Französisch («Carmen») oder Italienisch («La Bohème») macht keinen wesentlichen Unterschied im Vokalduktus. Massenets «Manon» klingt wie Verismo, was sie definitiv nicht ist. Das sind die Schattenseiten eines an sich begrüßenswerten Versuchs: Da will sich jemand von allen Fachschablonen fernhalten, will zeigen, dass eine deutsche Stimme auch bei Verdi und Puccini etwas mitzuteilen hat. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie selbst sah sich als «Frau im Feuer». Und in der Tat: An Angriffen mangelte es nicht. Wolfgang Wagner fand eine andere Metapher und bezeichnete seine Frau als «Libero der Festspiele». Auch daran war viel Wahres: Gudrun Wagner war mit dem Festspielbetrieb so vertraut, dass sie überall kämpfen konnte, sei es in der Offensive oder bei Aufgaben der Verteidigung....
Vom Hellen ins Dunkle führen viele Wege. Das wussten nicht nur die Dichter der (deutschen) Romantik. Aber vielleicht waren sie, im frühen 19. Jahrhundert, die ersten, die der amorphe Zauber der Finsternis mehr bewegte als das Licht der ordnenden Vernunft. Ihre Märchen und Novellen, ihre Romane und Verse kreisen vor allem um das Abgründige, Geheimnisvolle,...
Ursprünglich war Manfred Braunecks «Geschichte des europäischen Theaters» auf zwei Bände angelegt: Der erste (Antike bis 16. Jahrhundert, 716 Seiten) erschien 1993, «Barock bis Gegenwart» sollte zwei Jahre später folgen. Vier weitere Bände im Gesamtumfang von
4 000 Seiten (ohne den Register-Band VI) sind es schließlich geworden, und bis zum Erscheinen des letzten...
