Libero der Festspiele
Sie selbst sah sich als «Frau im Feuer». Und in der Tat: An Angriffen mangelte es nicht. Wolfgang Wagner fand eine andere Metapher und bezeichnete seine Frau als «Libero der Festspiele». Auch daran war viel Wahres: Gudrun Wagner war mit dem Festspielbetrieb so vertraut, dass sie überall kämpfen konnte, sei es in der Offensive oder bei Aufgaben der Verteidigung. Sie hat sich ehrgeizig und zweifellos ohne großen Selbstschutz eingesetzt: getragen vom teils missionarischen, teils auch doktrinären Einsatz für das, was sie für das Wohl der Festspiele hielt.
Sie sah sich dabei zweifellos in der Tradition der hohen, hehren Bayreuther Frauen Cosima und Winifred. So befremdlich der Gestus im Alltag oft wirkte, so wenig ist die historische Bezugslinie zu leugnen: Auch Cosima und Winifred kamen angeheiratet zur Wagner-Familie, auch sie wurden heftig bekämpft, auch sie sahen ihre Aufgabe vor allem in einem Management der Bewahrung. Und auch sie kämpften vor allem für ihren Nachwuchs, der irgendwann den Gral übernehmen sollte. Je älter Wolfgang Wagner wurde, desto mehr Einfluss übernahm seine Frau, die aus Ostpreußen stammte, 1965 als Fremdsprachensekretärin nach Bayreuth kam, zunächst im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bis zur aktuellen Spielzeit hatte Plácido Domingo nur einen kurzen Blick auf das Repertoire des Barock geworfen: 1966 trat er in Boston an der Seite von Beverly Sills in einer Produktion von Rameaus «Hippolyte et Aricie» auf. Freilich hat er immer wieder betont, dass er sich mit der Musik dieser Epoche weiter beschäftigen wolle. Glucks Baritonpartie des Oreste...
Ein reicher Onkel: cholerischer Sonderling, der nach seinen Ausbrüchen regelmäßig in Depressionen verfällt und eigentlich nur für das Schachspiel lebt. Um ihn die Kinder seiner verstorbenen Schwester: Giocondo hat unter Vorspiegelung eines großen Vermögens ein Luxus-Geschöpf geheiratet und in der Schuldenfalle nicht nur das eigene Erbe, sondern auch die Mitgift der...
«Opernwelt» hatte ihn schon auf dem Cover, als ihn noch keiner kannte. Vor sieben Jahren sang Jonas Kaufmann den Florestano in Paers «Leonora». Es war eine Produktion der Oper Zürich, und der Tenor fiel uns damals sofort auf: «Er gehört ohne Frage zu den begabtesten lyrischen Tenören seiner Generation. Das dunkel leuchtende Timbre bleibt sofort im Gedächtnis», hieß...
