Subtile Balance

Arnulf Herrmanns Musiktheater Wasser in der CD-Reihe des Ensemble Modern

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Ein «Traum» steht am Anfang. Eine Sopranstimme sucht Halt. Silben, Satzfetzen: «ha / be / dir / dir / ge- / sagt / du». Bruchstücke einer (erinnerten) Geschichte? Das Du will fort. Von ihr? Einer Frau namens Katja, die hier vielleicht einen Schlussstrich zieht? Erst dieses «fort» bleibt stehen, eine gefühlte Ewigkeit lang von Sarah Maria Sun gehalten, cantabile, bis das Ensemble Modern den schwebenden Vokal mit anschwellenden Klangwogen überspült. Wasser nennt Arnulf Herrmann sein einstündiges Stück auf einen Text von Nico Bleutge.

Der Titel ist nicht nur Metapher, sondern auch Formprogramm. Alles ist hier im Fluss – Melodien und Metren, Harmonien und Stilebenen, Bewusstes und Unbewusstes, Sinn und Bedeutung. Erzählt da ein Mann, Robert, von Ungeheuern, die sein Kopf gebiert? Ein Traumatisierter, ein Nachtwandler, von Ängsten und Fantasien getrieben wie Wellen vom Wind? Bläsertrunken, legato, in einer Art stile recitativo hangelt sich der Bariton alias Robert (Boris Grappe), ein Reisender, aus dem Schlaf. Und hört Menschen im Hotel. Ein Kind singt ein «einfaches Lied», die Streicher zupfen etwas dazu, die Klarinette wärmt ihm das Gemüt, der Klavierspieler greift in die Saiten. Ein ...

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Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Albrecht Thiemann

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