Über alle Gefühle hinweg
Kaum ein Theaterklassiker provoziert so widersprüchliche Gefühle wie Kleists Prinz von Homburg, gleichsam die preußisch-protestantische Neuauflage der altgriechischen Tragödie: Anstelle der Götter gebietet der Kurfürst über Sein oder Nichtsein.
Nachdem er den unbotmäßigen Prinzen durch das Stahlbad lutherischer Selbsterkenntnis geschickt hat, erlässt er ihm in letzter Sekunde die Todesstrafe, nur um ihn erneut als tauglichen Kampfhahn vorzuführen («In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!») – Krieg, Krieg und nochmals Krieg, die Obsession des genial-unseligen Dichters Heinrich von Kleist.
Man begreift beim Hören bald, warum der allem Martialischen abholde Hans Werner Henze sich in die Welt dieses träumend in die Wirklichkeit geschleuderten Prinzen vertiefte. Ihn fesselten dessen Exzentrik, seine schwankende Identität, der jähe Aktionismus eines Passiven, das plötzlich monsterhaft Dreinfahrende eines androgyn Somnambulen. Harfengetränkte Bläserakkorde, ein vibrierender Streicheruntergrund, eine einsame Flötenstimme charakterisieren die Titelfigur. Wenn im zweiten und dritten Akt die Außenwelt den Entrückten einholt, hört man Kriegsfanfaren und Schlachtengetümmel, und wenn sich die ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Hans-Klaus Jungheinrich
Operettenkönige gab es nicht nur in Wien. Als die k.u.k. Welt noch in Ordnung und das ganze Wiener Leben Operette war, machten die Berliner schon ihr eigenes Ding. Schielten weder zu Offenbachs bittersüßen Buffonerien nach Paris, noch auf die Walzer an der schönen blauen Donau. Blähten lieber die preußischen Backen und pfiffen ihren Stücken ein bisschen Marschluft...
Aus Wagners Briefen geht hervor, dass er für das, was er als «die gemeinte Idealität des Affekts» bezeichnete, nicht weniger forderte als Selbstaufopferung. Der Gesangspädagoge Otto Iro sprach darob von «völliger Unkenntnis der Grundgesetze menschlicher Stimmfunktion». Wie maßlos Wagners Anforderungen waren, zeigte eine konzertante Aufführung des Rienzi, mit der...
Zur Feier des Britten-Jubiläums haben die beiden wichtigsten englischen Festivals Mitschnitte herausgebracht: Glyndebourne Jonathan Kents Inszenierung von The Turn of the Screw auf DVD, Aldeburgh The Rape of Lucretia unter Oliver Knussen als Doppel-CD.
Die Glyndebourne-Produktion (eine Reprise der Inszenierung von 2005 aus dem Jahr 2011, aber erstmals auf DVD)...
