Sentiment und Action
In Texas muss alles groß sein. So hat die Dallas Opera in ihrem 53. Jahr für ihre dritte Uraufführung nach einer besonders gewichtigen Vorlage gegriffen. Den Umzug in das neue, von Norman Foster entworfene Theater feierte man letzten Oktober unverfänglich mit Verdis «Otello», jetzt wurde mit Herman Melvilles «Moby Dick» ein dicker Brocken gewuchtet, der die Möglichkeiten der Bühne voll austestet.
Dabei ist der weiße Wal, der in diesem mit Bibelanspielungen gespickten Roman als Gegenspieler und Nemesis des manischen, vielleicht verrückten Kapitän Ahab fungiert, dem er einst das linke Bein raubte, gar nicht zu sehen. Der finale Kampf mit dem Meeresgiganten wird nur indirekt gezeigt: Virtuelle Boote zerbersten, Seeleute fahren ertrinkend aus dem Bild, der negative Schattenriss des Walfängers Pequod kippt weg. Schließlich verschwindet Ahab zwischen weißem Videorauschen. Nur der Matrose, den man als Greenhorn kannte, rettet sich auf einem Sarg. Mit den berühmten Worten «Call me Ishmael» offenbart er sich dem ihn auflesenden Schiff. Damit beginnt eigentlich der Roman.
In seiner sechsten Oper halten sich Jake Heggie («Dead Man Walking») und sein bewährter Librettist Gene Scheer eng an die ...
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Mit Ablauf der Saison geht in Bremerhaven die 16-jährige Ära des Intendanten Peter Grisebach zu Ende – im Musiktheater eine Zeit mit vielen Erfolgen der eher leisen, unspektakulären Art. In der Rückschau fällt einem die liebevolle Berücksichtigung selten gespielter Werke ein wie Offenbachs «Rheinnixen» oder Smetanas «Zwei Witwen» ebenso wie die Ausrichtung des...
Einmal erst hatte sich der bildmächtige Theaterzauberer Achim Freyer zuvor mit Wagner auseinandergesetzt: 1994 kam in Brüssel ein traumverlorener «Tristan» heraus. Nun hat Freyer in Los Angeles sein «Ring»-Projekt abgeschlossen. Es steckt voller poetischer, ja visionärer Kraft, die frischer wirkt als manches, was druckfrisch aus der Notenwerkstatt kommt – etwa Jake...
Albrecht Thiemann Herr Meyer, wann sind Sie Mieczyslaw Weinberg zum ersten Mal begegnet?
Krzysztof Meyer Ich habe ihn im September 1966 in Warschau kennengelernt. Weinberg war damals mit seinem Freund Boris Tschaikowsky aus Moskau zum 10. Warschauer Herbst gekommen. Tichon Chrennikow, der damalige Generalsekretär des sowjetischen Komponistenverbandes, gehörte auch...
