Im Schatten Schostakowitschs
Albrecht Thiemann Herr Meyer, wann sind Sie Mieczyslaw Weinberg zum ersten Mal begegnet?
Krzysztof Meyer Ich habe ihn im September 1966 in Warschau kennengelernt. Weinberg war damals mit seinem Freund Boris Tschaikowsky aus Moskau zum 10. Warschauer Herbst gekommen. Tichon Chrennikow, der damalige Generalsekretär des sowjetischen Komponistenverbandes, gehörte auch der russischen Delegation an. Es war übrigens seine einzige Auslandsreise nach dem Krieg.
Den Namen Weinberg kannte ich bereits: Als regelmäßiger Leser der Musikzeitzeitschrift «Sowjetskaja Musika» hatte ich immer wieder Beiträge zu seinen Werken gelesen, zu Hause hatte ich zudem einige Schallplatten mit seiner Musik, russische Produktionen. Mir gefiel sehr, was ich da hörte – zum Beispiel die zweite Sinfonietta. So begann ich mich für Weinberg zu interessieren. Dass er nach Warschau kommen würde, wusste ich nicht – wer reisen durfte und wer nicht, entschieden die sowjetischen Behörden damals ja meist im letzten Moment. Als wir uns dann trafen, hatten wir sofort einen guten Draht zueinander.
ATWelchen Eindruck hatten Sie von dem Menschen Weinberg?
MeyerEr war ein sehr offener, ein sehr herzlicher Mensch. Trotzdem wurde er ...
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Andri...
