Im Focus der «Opernwelt»: Juli 2010
Einmal erst hatte sich der bildmächtige Theaterzauberer Achim Freyer zuvor mit Wagner auseinandergesetzt: 1994 kam in Brüssel ein traumverlorener «Tristan» heraus. Nun hat Freyer in Los Angeles sein «Ring»-Projekt abgeschlossen. Es steckt voller poetischer, ja visionärer Kraft, die frischer wirkt als manches, was druckfrisch aus der Notenwerkstatt kommt – etwa Jake Heggies in Dallas uraufgeführte Melville-Oper «Moby Dick» oder Daron Aric Hagens «Amelia» in Seattle.
Doch nicht nur die «American Scene», der wir in diesem Focus einen Schwerpunkt widmen, tut sich schwer, neue Perspektiven zu erschließen. Auch die Münchener Biennale drückt sich um entscheidende Fragen nach dem Musiktheater von morgen herum.
Wer hätte gedacht, dass ein Stück wie Rossinis «La donna del lago» plausibel und spannend zu erzählen ist? Christof Loy und Joyce DiDonato machen’s möglich – in Genf. Dass eine prominente Besetzung nicht unbedingt Hochspannung garantiert, zeigt ein Vergleich der «Rheingold»-Premieren an der Scala und der Staatsoper in Sofia. Außerdem in unserem Focus-Teil: José van Dams Abschied als Massenets Don Quichotte sowie Janáceks «Katja Kabanová» in Stuttgart und Bonn.
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«Solange ich noch über ein wenig Atem verfüge, werde ich singen», verkündete Giuseppe Taddei zuversichtlich, als er 90 wurde. Da lag sein Abschied von der Bühne gerade drei Jahre, sein Debüt bereits stattliche sieben Jahrzehnte zurück. In Rom war es, im Sommer 1936, als er als Heerrufer im «Lohengrin» neben Beniamino Gigli zum ersten Mal die Szene betrat. Die...
Zumindest im Opernbereich war die Bilanz des Händel-Jahres 2009 eher ernüchternd. Zwar wurde der 250. Komponistengeburtstag an nahezu jedem Opernhaus mit einer Produktion gewürdigt, doch ein Volltreffer, der Impulse für einen neuen, anderen Umgang mit Händels Opernfiguren gegeben hätte, scheint nicht dabei gewesen zu sein. Immerhin gab es einen Hoffnungsschimmer:...
Der Name Christoph Schlingensief ist inzwischen untrennbar mit dem Attribut «Lungenkrebs» verbunden. Das ist kein Zufall, fördert er doch selbst nach Kräften die Aufhebung der Trennung von Kunst und Leben; die öffentliche Zurschaustellung und Verkunstung seiner Krankheit ist Teil einer Therapie. Davon konnte man sich zuletzt wieder in seinem Luigi-Nono-Verschnitt...
