Krankheit, Heilung, Erlösung
Der Name Christoph Schlingensief ist inzwischen untrennbar mit dem Attribut «Lungenkrebs» verbunden. Das ist kein Zufall, fördert er doch selbst nach Kräften die Aufhebung der Trennung von Kunst und Leben; die öffentliche Zurschaustellung und Verkunstung seiner Krankheit ist Teil einer Therapie. Davon konnte man sich zuletzt wieder in seinem Luigi-Nono-Verschnitt «Intolleranza II» überzeugen, der in Brüssel und Hamburg zu sehen war, inszeniert mit Darstellern aus Burkina Faso.
Dort, in Afrika, liegt für Schlingensief die Kraft, die den weißen Mann heilen kann – oder zumindest ihn ganz persönlich. Seit Februar entsteht auf seine Initiative in dem westafrikanischen Land, in Remdoogo, ein Operndorf, das einmal eine Schule, ein Krankenhaus und ein Festspielhaus für 600 Menschen beherbergen soll. Ein Modell war während der neuen Kunstfestspiele Herrenhausen in Hannover zu besichtigen.
Warum ausgerechnet dort, mag man sich fragen. Was haben die barocken, strengen Gartenanlagen der Welfen, in denen es an allen Ecken und Enden grünt und blüht, mit dem staubigen, roten Hochplateau zu tun, auf dem das Operndorf entstehen soll? Dass man den Weg zum Modell nicht leicht findet, weil es versteckt ...
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