Sehnsucht und Erfüllung

Anna Lucia Richter unternimmt, von Gerold Huber kongenial am Klavier begleitet, eine emotional-intellektuelle Gratwanderung mit Schubert-Liedern

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Vor drei Jahren hat die junge Sopranistin Anna Lucia Richter ihre erste Solo-CD vorgelegt (siehe OW 3/2016). Was damals ein Versprechen war, wird jetzt mit ihrem zweiten, Schubert gewidmeten Solo-Album zur Erfüllung. Dabei macht sie es sich mit bekannten Highlights wie Goethes Mignon-Liedern, dem «Ave Maria» oder dem «Hirt auf dem Felsen» nicht leicht. Technisch kennt sie mit ihrer schlanken, perfekt geführten Stimme keine Probleme, spinnt ein makelloses Legato, dosiert die Farben ihres kühlen Timbres zurückhaltend wie erlesene Gewürze und artikuliert mustergültig.

Nie drängt sie sich als Person in den Vordergrund, findet stets den Ausgleich zwischen intellektueller Reflexion und emotionaler Verinnerlichung. Ihre Begeisterung für das dichterische Wort – ohne den Ton im Mindesten preiszugeben – ist es, die ihre Liedkunst auszeichnet und zu einem Ereignis macht.

Wie ernst sie Texte nimmt, wie tief sie sich in sie versenkt, zeigt sich gleich an den drei «Liedern der Mignon». Wirkung entsteht hier durch den Verzicht auf jede effektbetonte Expressivität. In beklemmender Ruhe, zwanghaft wie unter Trance, geradezu im Ringen um Worte (wobei jeder Ton Bedeutung besitzt), ersteht Goethes ...

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Opernwelt März 2019
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Uwe Schweikert

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